Mittwoch, 23. Dezember 2015

Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Bergauf (2)

Beginnen wollen wir den direkten Vergleich der drei Mittelmotorsysteme Bosch, Brose und Yamaha mit der für uns eMountainbiker spannendsten Frage überhaupt.
Wie sieht es mit der Unterstützung und der Kraftentfaltung auf einer Bergauffahrt aus?
Hierzu haben wir uns eine spezielle Steil-Passage ausgesucht, welche uns viele Eindrücke gewinnen lässt und damit die Charakteristik der Antriebe aufzeigt.




Unsere Teststrecke für die Fahrt den Berg hinauf hat im Schnitt etwa 20% Steigung. Die steilste Stelle erfasst unsere Messinstrumente mit knapp 25%, was eine ordentliche Anforderung an Mensch und Maschine darstellt. Diese Teststrecke werden wir mit unterschiedlichen Fahrprofilen bezwingen.
Zum einen lassen wir uns mit einer niedrigen Trittfrequenz, mit maximaler Unterstützung den Berg hinauf "treiben". Das zweite Profil soll den durchschnittlichen sportlichen eBiker wiederspiegeln - d.h. wir fahren mit einer mittleren Trittfrequqnz um die 80 Umdr./min., bei maximaler Unterstützung hinauf.
Das dritte und letzte Profil wird mit einer möglichst hohen Kadenz absolviert, dies bedeutet maximale Unterstützung und Vollgas den Berg hinauf.
Diese Profile werden abwechselnd mehrmals hintereinander von unterschiedlichen Fahrern gefahren und die Fahrdaten dazu aufgezeichnet. Somit sollte sich ein Bild über die Leistungsfähigkeit der einzelnen eBike Antriebe in der praktischen Anwendung ergeben.  

Die Steigung in der Höhenprofil Ansicht


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Bosch Performance CX System
Das jüngste Bosch System fällt durch eine sehr natürliche und dominante Kraftentfaltung auf. Hierbei zeigt sich in der Praxis, dass das Anfahren im steilen Gelände wohl dosiert von statten geht. Das System erfasst hierbei sehr genau den Druck auf das Pedal und unterstützt entsprechend dieses Impulses die eigene Muskelkraft mit elektrischer Energie. Dabei bleibt der Unterstützungsgrad über eine große Trittfrequenzbandbreite gleichmäßig bestehen, egal ob mit einer Kadenz von 50 oder um die sportlichen 100 Umdr./min pedaliert wird.
Parallel dazu ist es der stärkste Antrieb im Testfeld, hier schiebt der Motor selbst unter steilsten Bedingungen bis an die Grenzen dessen, was die Rahmengeometrie in der Steigung zulässt.
Hier geht es also richtig voran im Zusammenspiel mit der 11fach Kassette und dem darauf befindlichen großen 42er Ritzel. Leistungseinbrüche durch Dauerbetrieb konnten wir auf unseren Teststrecken bisher keine feststellen. Soviel Leistung hat jedoch auch großen Energiehunger, der Performance CX Mittelmotor harmoniert daher am besten mit dem großen Akkupack mit 500Wh. Die Motorgeräusche unter Volllast sind sehr deutlich wahrzunehmen und haben einen sonoren Charakter.










Brose
Der Mittelmotor von Brose unterstützt sehr zuverlässig in den bergauf Passagen und ist dabei unter jeder Bedingung, seien es Wurzelpassagen oder feuchtes Laub, gut dosiert zu fahren. Niedrige Trittfrequenzen kann der Mittelmotor gut mitgehen, dabei wird Fahrer und Bike gleichmäßig den Berg hinauf geschoben.
Für längere, besonders steile Passagen mit höheren Trittfrequenzen, fehlt es ihm in diesem Bereich allerdings etwas an Leistung. Das führt unter Umständen dazu, daß ein nicht ganz so sportlicher Fahrer in steilen Passagen schnell an seine Leistungsgrenze gebracht wird. Hier kommt bei kurzzeitiger Erhöhung der Trittfrequenz über 80Umdr./min. kein ordentlicher Leistungszuwachs auf das Hinterrad und somit in Vortrieb. Dies fühlt sich dann sogar so an, als würde der Motor beim Beschleunigen etwas bremsen.
Als sehr positiven Aspekt ist die große Laufruhe des Motors hervorzuheben, selbst unter Volllast ist dieser akustisch kaum wahrnehmbar. Desweiteren ist noch anzumerken, dass das Brose Antriebssystem genügsam mit dem Energieverbrauch umgeht.







Yamaha
Die Stärken des japanischen Mittelmotors liegen ganz klar im Trittfrequenz Bereich um die 60-80 Umdr./Minute - hier ist die gefühlte Unterstützung vor allem Bergauf am größten. Damit dürfte diese Eigenschaft einen Großteil der Bedürfnisse klassischer Pedelec Biker abdecken.
Geht der Biker dazu über, in eine höhere sportliche Kadenz zu wechseln, fällt der Unterstützungsgrad spürbar ab. Man fühlt sich dabei fast dazu gezwungen, bewusst niedrigere Trittfrequenzen zu halten um im optimalen Drehmoment Bereich zu bleiben.
In diesem Zusammenspiel macht das Zweifach Kettenblatt und die damit beabsichtigte hohe Übersetzungsbandbreite jedoch wenig Sinn. Zum einen ist der Umwerfer unter Volllast nicht in der Lage das Kettenblatt vom großen auf das kleine Blatt zu transportieren und zum anderen kann der Yamaha Antrieb kurze Übersetzungen, welche zwangsläufig zu höheren Trittfrequenzen führen, nicht effizient nutzen.

Bedingt durch das große Drehmoment, bei niedrigen Trittfrequenzen, kommt es während der Fahrt über laubbenetzte Wurzeln hin und wieder vor, dass die Motorunterstützung das Hinterrad zum durchdrehen bringt. Auch eine sofortige Entlastung des Pedals kann hier den Nachlauf des Hinterrads nicht sofort korrigieren, was zwangsläufig zu einem Stop auf der Bergauffahrt führt.
Im klassischen Bike Bereich, also dem ohne Motor, werden solche Hindernisse wie nasse Wurzeln mit Schwung überfahren um hier ein durchdrehen des Hinterrades bzw. das abrutschen dessen zu vermeiden. Hier fehlt es dem Yamaha Antrieb im höheren Trittfrequenzbereich jedoch an Leistung, um vor einem Bergaufhindernis nochmals kurz beschleunigen zu können.
Die Motorgeräusche unter Volllast sind recht hochfrequent, jedoch relativ leise und somit absolut nicht störend.





Fazit im Bergauf Vergleich:
Seine Leistung und das sensible Ansprechverhalten sind die überzeugenden Argumente, welche das Bosch Performance CX System in dieser Kategorie zu unserem Favorit macht. Mit einem schier unglaublichen Vorwärtsdrang schiebt das Bosch System den Biker an sein Ziel. Das Ansprechverhalten auf Pedaldruck fühlt sich sehr natürlich an, da der Motor die indirekten Steuerbefehle, welche beim Pedalieren vermittelt werden, sehr direkt umsetzt. Somit ergibt sich ein leistungsstarkes und harmonisches Fahrbild.

Aber auch die anderen Motoren von Yamaha und Brose brauchen sich nicht zu verstecken. Beide zeigten sich auf unseren Teststrecken als absolut zuverlässige Begleiter. Ausfälle gab es bei Testbedingungen um die 12°C Außentemperatur keine zu verzeichnen. Der Brose Antrieb überzeugt durch eine geringe Geräuschkulisse. Beim antreten aus der Fahrt heraus würde ihm jedoch etwas mehr Durchzug gut tun.
Der Yamaha-Antrieb schiebt satt und genügsam jeden Biker aufwärts. Eine konstantere Unterstützung im sportlichen Trittfrequenzbereich über 80Umdr./min. wäre wünschenswert, da der sportliche eMountainbiker nicht selten diesen Bereich im technisch anspruchsvollen Gelände abrufen möchte.

Würde man die Motoren nicht direkt nacheinander auf dem selben steilen Stück bewegen, so wären alle Antriebssysteme eine gute Wahl in einem eMTB. Beim direkten Vergleich wird jedoch sehr schnell deutlich welche Eigenschaften mit welchem System einhergehen.
Die Fahreigenschaften der Bikes an sich, spielten bei unserer Bewertung keine Rolle. Die unterschiedlichen Kettenschaltungen mit 10fach oder 11fach Kassetten und zweifach Kettenblatt an der Kurbel wurden berücksichtigt.

Wie sind eure Erfahrungen Bergauf?

Egal welcher Antrieb - Spaß machen sie alle!





Servicepoint am Ende der Teststrecke

Hier werden die Bikes mit Sensoren gerüstet



Demnächst folgen weitere Fahrten.
Hier werden wir die Antriebssysteme von Bosch, Brose und Yamaha direkt auf einer Tour sowie über die 1000Hm Distanz vergleichen.


Weitere Links zum Thema:
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Die Kandidaten (1)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Bergauf (2)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Tour (3)
Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Kälte, Schnee und steile Strecke (4)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Brose unter Volllast (5)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Yamaha unter Volllast (6)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Bosch Performance CX unter Volllast (7)
Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Die Zusammenfassung (8)
- Haibike Sduro AllMtn RC - Fotostrecke- Rotwild R.Q1+ FS 27.5 - Fotostrecke
- Cube Stereo Hybrid 160 "Action Team" (Vorserie) - Fotostrecke
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Kommentare:

  1. Hallo,
    gerade einen Brose-Bosch-Vergleich erfahren. Allerdings ohne Wechsel der Räder! Mit 400er Akku beim Bosch und 500-irgendwas beim Bulls hat sich gezeigt dass die Akku-Leistung trotz unterschiedlicher Kapazitäten sehr nah beieinander lagen. Steigungen waren mit beiden Systemen gleich gut zu schaffen. Was mich als Bosch-Fahrer genervt hat war aber die schlechte Übersetzung bei mir 16 zu 36. Hier wird kommt man in sehr niedrige Kadenzen gerade beim Radeln in Gruppen. Geht dann noch der Saft aus, wird es noch heftiger. Ein 42er hinten ist beim Bosch also umso wichtiger. Der Rest dürfte für extreme Touren von Ausschlag sein. Wie weit kommt man bei langen Touren mit mittleren Steigungen. Hohe Kadenzen in großen Steigungen erreiche ich nun mal nicht mehr mit 36er Blatt hinten. Und wieder ist man bei der Ausstattung des Pedelecs! Danke für Euren Vergleich, allen viel Spaß beim Fahren im grünen warmen Winter. Frohe Weihnacht und ein gutes Neues Jahr 2016.
    Es grüßt der Hahnenkamm

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  2. Sehr informativer Artikel! Die Videos sind klasse, dadurch ist der akustische Vergleich aussagekräftig. Daumen hoch.

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  3. Vielen Dank für den Vergleich...einfach Top....lese immerwieder gerne eure Test.
    Genaudas was Ihr über den neuen CX schreibt,wollte ich haben,und bekomme es mit dem Cube Semifatty....freue mich schon drauf...hoffentlich nicht allzuspät.

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  4. Ich find es Klasse, dass ihr auch mal die Charakter der Antriebe beschreibt. Beim Bosch Cx wäre es auch mal interessant, wie die Lautstärke im Vergleich zum normalen Performance ist und wie sich die Akustik verändert, wenn man nicht volle Leistung abruft.

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    1. Fahre nun ca 2000km den CX. Die Lautstärke macht nur geringe Unterschiede zwischen den Unterstützungstufen. Bei schneller Trittfrequence ist er schon sehr hörbar wobei das Geräusch angenehm ist.
      Ich bin mir nicht sicher aber er sollte genauso laut sein als die normale Performance Line. Der CX besteht komplett aus Metallzahnkränzen, hat aber eine verbeserte Schall und Wassergeschützte Konstruktion.

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  5. Das spiegelt exakt die Erfahrung, die ich im Vergleich der Systeme gemacht habe wieder. Ein Reichweiten test wäre toll.

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  6. Any comment about the range? I am a Haibike sDuro (Yamaha) owner and my friends owns a Bosch. I can definitely say that Yamaha is way more efficient (30% plus) than the Bosch. I do not have an opinion about Brose, since I do not have an experience.

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    1. As soon as possible, we also bring a report about the efficiency between the three different engines. This one only describes the characteristics of the uphill performance...

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  7. Servus,

    vielen Dank für den Vergleich. Was mir bei Ebike-Tests immer wieder fehlt sind Erfahrungswerte für Leute die nicht vorhaben, mit voller Unterstützung den Berg rauf zu ballern, sondern die z.B. wie ich nur die Spitzenbelastung beim MTBen etwas reduzieren wollen und auf maximale Reichweite mit geringer Unterstützung fahren. Auch das sollte mal Betrachtungen wert sein! LG

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    1. Auch in diese Richtung hatten wir bereits berichtet. Jüngst in diesem Artikel: http://www.pedelec-biker.com/2015/11/ausfahrt-1000hm-mit-dem-bosch-powerpack.html

      In unserem Vergleichstest beim Touren wird die Fahrt über eine längere Strecke mit geringer Unterstützung eine Rolle spielen...

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  8. Wann gehts denn endlich weiter mit dem Vergleichstest?

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    1. Die laufen...
      Müssen die Infos daraus aber noch zusammentragen und in einem Artikel packen.
      Habt Geduld.

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  9. Schöner Vergleich, was mich als Classic FS RX Haibiker insteressieren würde ist wie dieser sich im Vegleich schlägt? Ihr seid die Räder ja auch lange gefahren und könnt es doch bestimmt gut einschätzen?

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    1. Schau mal auf unserem YouTube Kanal:
      https://www.youtube.com/watch?v=1Eb9JgbLgiM

      Hier gibt es einige Fahrten von früher auch mit dem Haibike FS RX.

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  10. Heute hatte ich die Möglichkeit Bose, Bosch und Yamaha in Dänemark bei einem Fachgeschäft hintereinander Probe zu fahren. Ein BH emotion mit Bose, ein MTB mit Bosch und ein MTB mit Yamaha.Ich hatte mir in den letzten Monaten alle Vergleichstestsdie im Internetz veröffentlich sind ausführlich durchgelesen. Ich fahre selbst ein 3 Jahre altes BH Neo cross. Meine Erwartungen waren sehr gross. Speciell beim Boschantrieb hatte ich grosse Erwartungen, da er in allen Tests als der Beste eingestuft wurde. Hier kurz mein erster Eindruck. Der Boschantrieb hinterlies bei mir eine grosse Entäuschung. Hier war die Leistung und die Laufgeräusche für mich nicht ok. Der Boseantrieb war noch leistungsschächer als der Boschantrieb aber sehr leise. Die Überraschung war der durch eine gleichmässige kräftige Kraftentfaltung überzeugenden Eindruck bei mir hinterlies.Nach diesen drei habe ich dann das 2016 model von BH emotion neo cross gefahren. Diese Model ist immer noch sportlicher als die Anderen drei. Sollte ich mich heute entscheiden, so würde ich mir eine Yamaha version kaufen, da dieser Antrieb einfach z. Zt das Beste auf dem Markt darstellt.
    Viele Grüsse Peyer Brauer aus Dänemark

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