Montag, 7. Dezember 2015

Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Die Kandidaten (1)

90Nm - 250Watt - 500Wh - 36Volt - 3,4kg - 300% - 25km/h - 2fach - 1000Zyklen - 800€ - ECO - 130km - beschäftigt man sich mit eBike Antriebssystemen, so muss man sich zwangsläufig mit einer ganzen Reihe von Zahlen auseinandersetzten mit welchen die Hersteller um die Gunst des Kunden buhlen. Dabei beweisen diese Zahlen an sich kaum etwas darüber wie sich ein Antrieb anfühlt und nutzen lässt.
In dieser Artikelserie wollen wir daher die drei Mittelmotor Antriebssysteme erfahren und beschreiben welche Eigenschaften mit dem jeweiligen Modell einhergehen.


Mit den Mittelmotoren der Hersteller Bosch, Brose und Yamaha haben wir die aktuell populärsten Vertreter, bei sportlicher Nutzung in einem eMountainbike, im Fuhrparkt. So kommt der Bosch Performance CX Antrieb im Cube Stereo Hybrid 160, das Yamaha System im Haibike Sduro AllMTN und Brose im Rotwild R.Q1+ FS zum Einsatz. Drei eMountainbikes welches eines vereint - den sportlichen Einsatz im Gelände.

Nun haben wir es uns zum Ziel gesetzt unsere Erfahrungswerte mit diesen drei Antrieben in Wort und Bild so zu beschreiben, dass ihr Leser nachvollziehen könnt wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Antriebe liegen. Wir werden also nicht mit nackten Zahlen argumentieren, so wie es die Hersteller tun, sondern unsere praktischen Erfahrungen in Bezug auf konkrete Anwendungsbeispiele wiederspiegeln.

Bewegt werden die Bikes in unserer Heimatregion am Südschwarzwald. Hier kennen wir das Gelände, auch unter unterschiedlichen äußeren Bedingungen, in und auswendig. Damit haben wir die Basis, vielerlei unterschiedliche Anforderungen genau beurteilen zu können.


Kurz einige Worte zu den Motoren:
Nein an dieser Stelle folgen nun keine nackte Zahlen. Diese geben wie bereits erwähnt unserer Ansicht nach nur bedingt ein Bild dessen ab, wie sich ein Antrieb in der Praxis fahren lässt.

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Bosch Performance CX
Das CX Modell ist der jüngste Spross des schwäbischen Weltkonzerns. Basierend auf dem 2013 erstmals gezeigten klassischen Performance Modell hat dieser neue Antrieb nun eine geänderte Bauform, womit sich bei der Konstruktion von eMTBs neue Rahmenarchitekturen realisieren lassen. Der Hersteller verspricht darüber hinaus mehr Leistung als das Performance Basismodell. Ein Antrieb, konzipiert und realisiert für den sportlichen Einsatz. Durch die interne Untersetzung kommt beim Bosch Motor ein Ritzel zwischen 14 und 20 Zähnen (je nach Anwendungsgebiet) zum Einsatz.

Brose 
Ebenfalls ein Antriebshersteller mit Wurzeln im sogenannten Automotive Bereich - also Entwickler und Zulieferer von Komponenten für die Automobilindustrie. Dies Basis, der Elektromotor, stammen hier von einem Lenkungsmotor für Automobile. Die Gesamtkonzeption des Antriebs für ein eBike umfasst eine intere Kraftübertragung über einen Riemen. Damit wird die mechanische Energie zwischen Motor und Kurbelwelle übersetzt wodurch sich ein besonders hohes Drehmoment ergeben soll.
Diese technische Gegebenheit wiederum ermöglicht es, den Antrieb von der Leistung des Bikers zu entkoppeln. Damit soll ein antriebsneutrales Pedalieren in Situationen möglich werden, bei denen der Motor nicht mehr unterstützt - also Beispielsweise über der gesetzlich limitierter 25km/h Grenzen.
Bei Brose ist es je nach Modell möglich auf der Tretlagerachse mit zwei Ritzel zu fahren.

Yamaha
Der Yamaha Antrieb der zweiten Generation wurde erstmals 2012 in einem Giant eMTB verbaut. Haibike führte 2014 die Sduro Linie ein und damit einher stieg die Popularität des japanischen Mittelmotor schlagartig an. Hauptargumente Seitens Haibike, die für den Yamaha Antrieb sprechen, seien die sofortige Unterstützung ab der ersten Kurbelumdrehung sowie der Möglichkeit zwei Kettenblätter und somit eine große Übersetzungsbearbeitung anwenden zu können.

Die Akkupacks der Hersteller bestehen aus unterschiedlichen Kapazitäten. Den größten Energiespeicher liefert aktuell Bosch mit nahezu 500Wh. Brose verbaut an dem uns zur Verfügung stehenden Rotwild Bike einen Akkupack mit 40 Zellen womit sich gut 460Wh ergeben. Yamaha bietet im Haibike Sduro 400Wh auf. Alle drei Antriebssystem laufen mit einer Nominalspannung von 36Volt. Das sich hieraus im direkten Vergleich unterschiedliche Reichweiten ergeben könnten, ist zu erwarten. Dennoch werden wir, unter Berücksichtung der jeweiligen Gesamtkapazität, auch hier Rückschlüsse auf die Effizienz ziehen.

Soviel also zu den Kandidaten und den Hintergrundinformationen zu dieser Artikelserie.  

Die Leser sind übrigens gerne dazu aufgefordert, ihre eigenen Erfahrungen über die Kommentarfunktion einfließen zu lassen. Auch Rückfragen dürfen gerne gestellt werden.



Die Kandidaten: 
Cube Stereo Hybrid 160 ActionTeam - Bosch Performance CX System - 22,7kg

Haibike Sduro AllMtn RC - Yamaha System - 22,3kg

Rotwild R.Q1+ FS - Brose System - 21,2kg









In den nächsten Wochen wird diese Artikelserie unterteilt in unterschiedliche Anwendungsbeispiele. Dabei werden unter anderem Videos dokumentieren, wie die Anwendungsszenarien aussehen und wie sich jeder Antrieb dabei verhält.


Weitere Links zum Thema:
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Die Kandidaten (1)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Bergauf (2)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Tour (3)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Kälte, Schnee und steile Strecke (4)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Brose unter Volllast (5)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Yamaha unter Volllast (6)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Bosch Performance CX unter Volllast (7)
- Bosch - Brose - Yamaha im direkten Vergleich - Die Zusammenfassung (8)
- Haibike Sduro AllMtn RC - Fotostrecke- Rotwild R.Q1+ FS 27.5 - Fotostrecke
- Cube Stereo Hybrid 160 "Action Team" (Vorserie) - Fotostrecke
- Haibike Sduro AllMtn RC - Fotostrecke

Kommentare:

  1. Da gibt es sicher einen grossen Interessentenkreis an solch einem Vergleichstest. Bin gespannt auf die Fortsetzung.

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    1. Ja, auch für uns ist es immer wieder spannend zu beobachten welche Charakteristik das eine oder andere Antriebssystem aufweist. Gebt uns noch etwas Zeit um die gesammelten Informationen und Erfahrungen zu ordnen und zu präsentieren.

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  2. Auch ich bin sehr neugierig, gute Idee, Daumen hoch!

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  3. Antworten
    1. Jeep .. auf so einen Test wartet die ganze E-Bike Gemeinde. Wenn ihr so was nicht durchführt wer denn sonst..Chapeau

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  4. Endlich werden klare Fakten geschaffen!
    Vielen Dank für Eure Mühe!

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  5. Bitte geht auch auf die Übersetzung bzw. Möglichkeit zur Anpassung der Übersetzung ein. Bosch hat hier ja seine Grenzen die ein Normalanwender nicht so leicht ändern kann.

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  6. bin das aktuelle Rotwild Modelljahr 2016 in der Pro Version schon gefahren .. Ein klasse Rad, top verarbeitet, sicheres Fahrwerk, kaum wahrnehmbarer Motor... aber der Antrieb.... furchtbar, die Unterstützungsstufen sind aus meiner Sicht zu weit auseinander.. Terrain, bergisches Land, die beiden untersten Stufen vermitteln mir keine Kraft, die oberste ist viel zu stark eingestellt...Die Begrenzung setzt bei 25 kmh abrupt ein, das im Sommer von mir gefahrene Bike ging noch bis 27,9 kmh Unterstützung und man merkte hier den Übergang überhaupt nicht... Jetzt sieht das anderes aus, es bremst richtig, Leistung muss von Brose zurück genommen worden sein...Auch nervt es, wenn du eine Rampe herunterfährst mit ca. 45 kmh und dann anschliessend wieder die Rampe hochfährst, braucht das System bis es wieder einsetzt ca. 20 Sekunden bis die Kraft wieder verfügbar ist..

    Schade... ein Traumrad, aber durch den Antrieb von Brose respektive Software zum Blender verkümmert....

    Für 2016 wünsche ich mir dass Rotwild die Unterstützungsstufen frei gibt und die Software überarbeitet......

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  7. Hi,
    wann kann man mit ersten Testergebnissen rechnen? Kanns kaum noch erwarten!

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    1. Geduld, Geduld...
      Wir sind dran, aber es dauert noch etwas da der Aufwand für unsere bescheidenen Verhältnisse doch recht hoch ist.

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  8. Mal ne Frage wodurch unterscheidet sich der CX Antrieb von meinem 2016er 120 Hpa 29 Zoll Pro zu den neueren Modellen mein Motorbrot kasten sieht noch aus wie bei den 2015er Modellen (richtig Rund) , es steht aber schon CX Line drauf. Sieht das nur anders aus oder ist da auch was andres drunter/drin im Vergleich zum obigem Action Team Model (Motoreinheit eher Polygon mäßig)????

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  9. Beim Yamaha nervt folgendes: Fahre steil in einen Graben hinunter und will dann steil wieder hochfahen. Wiederholbar dreht er dann - wenn ich die Unterstützung bräuchte - die Leistung ab, so dass ich absteigen muss. Im Endeffekt schlicht untauglich für Enduro Zwecke. Hatte dieses Problem bei Bosch nie!

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  10. 2015 hatte Bosch zwar einen CX Motor auf den Markt gebracht, nur hatte dieser 60 Nm genau wie der normale Performance Line. Dieser sollte später auf 75 Nm per Software Update anpassbar sein, nur bemerkte man in der Testphase das die Hardware diesem Drehmoment nicht standhält. Daher gab es für diese Serie nie eine Update Option. Auch wenn Performance Line CX auf dem Display nach dem Start angezeigt wird kann es sein das er nur 60 Nm leistet. Man kann dies mit der Seriennummer bei Bosch oder einem qualifiziertem Fachhändler in Erfahrung bringen. MfG Nick

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  11. Hallo Leute, ich überlege mir, mein Stevens Pordoy mit dem Bosch Antrieb Performance und 400 kwH Akku zu verkaufen, und ein Bulls Rad mit Brose Antrieb zu kaufen. Nachteil Bosch: Laut, aber sehr zuverlässig, bin jetzt über 2000 km gefahren. Das Bullsrad min ich mit dem Broseantrieb und dem 650 Kwh Antriebgefahren... Total lecker beim testen..... was meint Ihr dazu?

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    1. Fahre schon seit 1000 Km ein Bulls Lacuba Plus mit Brose Motor.Bin begeistert über den Antrieb.Kräftig und leise gleichzeitig.Die Leistung setzt geschmeidig ein.Noch mehr Spass hat man damit,wenn man es mit Bikespeed tuned,dann erreicht man 45 Km/h !

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    2. Ich bin ein halbes Jahr das BULLS E-Stream FS2 mit Brosemotor gefahren und es war ein Desaster.
      Zunächst war ich vom Brose selbst sehr angetan. Kräftiger Schub und stark im Gelände. Doch der Akku von BMZ hat miese Reichweiten von Anfangs max 45km und später nur noch 25 km geliefert bis er schließlich defekt war. Das Display ist ausgefallen und macht für mich einen eher wackligen Eindruck. Insgesamt schien mir das System noch nicht ausgereift. Die Lösung mit Akku im Rohr fand ich anfänglich attraktiv, doch nach einiger Zeit ist es doch nervig das Fahrrad ständig zum Laden dabei zu haben. Das Problem wurde 2016 durch einen entnehmbaren Akku gelöst, doch habe ich schon öfter gehört, dass es nach wie vor Probleme mit Akku und Zuverlässigkeit gibt. Ich habe mich nun für ein KTM Powerrace 29 mit Bosch Performance CX entschieden. Ich hätte nie gedacht, dass der Unterschied so groß sein könnte. Für mein Empfinden wirkt alles wesentlich stabiler und ausgereifter! Der Bosch unterstützt wesentlich gleichmäßiger als der Brose und für mein Empfinden kräftiger und dabei leiser. Das Display hat mehr Funktionen und ist wesentlich stabiler. Vom Design her mag Brose hier vorn liegen. Aber Zuverlässigkeit ist mir wichtig und da hat Brose anscheinend noch Probleme, auch wenn das Rahnwnkonzept sicherlich zukunftsweisend sein wird.

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  12. das ist genau meine Erfahrung, der Brose Motor läuft total unruhig und setzt viel zu spät ein und wurde auch immer lauter! Der Motor wurde diese Woche kostenlos getauscht! Jetzt ist er wieder wie am Anfang nicht zu hören, die Kraft kommt auch direkter wobei die ersten beiden Stufen zu niedrig und die 3.te def. mit 320% zu stark eingestellt ist! Das kann man aber beim Händler anpassen lassen! Fahre auch noch ein 2016 Cube Reaction mit den Bosch CX Motor, da kommt die Kraft viel direkter mit 100% und regelt anschließend zurück ! Man wird auch in jeder Stufe durchgänig unterstützt, wenn auch mit einen leichten surren! Wie schon oben beschrieben hat der CX Metallzahnräder und das hört man! Wobei der Brose mit seinen Riemenantrieb und Kunststoffzahnräder schon leiser ist aber auf 50Nm gedrosselt, dass wird fast immer verschwiegen! Zur Zeit ist der Bosch CX def. der ausgereiftere Motor! Er macht was er soll!!! ..einfach Spaß!!!!!

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