Freitag, 21. Oktober 2016

Im Dauertest: Cube Stereo Hybrid 140 HPA 500 27.5+ 1000km (2)

Das Stereo Hybrid mit 140mm Federweg in der sogenannten Plus Variante, also mit breiten Reifen um die 2,8", ist nach wie vor ein treuer und regelmäßiger Begleiter bei den Einsätzen auf Tour und Spaßrunden über die Trails hier im Südschwarzwald. Nach nun gut einem halben Jahr im Dauereinsatz wird es Zeit zum nahenden Saisonende einen weiteren Zwischenbericht über unsere Erfahrungen mit diesem Bike zu liefern...



Das Stereo Hybrid 140 in der Plus Variante entspricht von den Geometriedaten her, bis auf die etwas längere Kettenstrebe, exakt dem klassischen 140er auf normalen 2,35" Reifen. Eines unserer Argumente, weshalb wir das 27,5+ Bike zu unserem Preis- Leistungssieger 2016 berufen haben liegt in den vielseitigen Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten.
Neben der rundum gelungen, wertigen Ausstattung, zu denen das 140mm Fahrwerk, die Shimano 11fach XT Schaltung sowie die giftigen Magura MT5 Vierkolben-Bremsanlage gehören hatten wir bereits die Möglichkeit beschrieben auf den 40mm Felgen normale 2,35" Reifen zu fahren.

Umgerüstet auf klassische 2,35" Reifen wirkt das Bike nicht nur optisch sportlicher, es lässt sich damit deutlich dynamischer Bewegen. 


Um nicht nur bei der Theorie zu bleiben, haben wir bereits seit einigen Wochen versuchsweise auf 2,35" Schwalbe "Hans Dampf" Reifen umgerüstet. Das Ergebnis hierbei ist überaus positiv, da das Bike mit den klassischen Reifen deutlich agiler wird.
Über die Charakteristik von Plus Reifen habe ich bereits ausführlich in etlichen Artikeln rund um dieses Thema meine Erfahrungen dokumentiert. Spannend nun ist zu sehen, wie sich der direkte Unterschied auf ein und dem selben Bike auswirkt.
Positiv bemerkbar macht sich vor allem die Reaktionsfreudigkeit, das Beschleunigungsverhalten sowie die Pannensicherheit der schmalen Reifen im Zusammenspiel mit diesem Bike.

Es lässt sich wenn nötig, wesentlich präziser und aggressiver fahren als unter der Plus Konfiguration. Dies wiederum bringt das 140mm Fahrwerk dann unter Umständen an seine Grenzen.
Die Bikegeometrie erlaubt einen sicheren und mitunter brutalen Einsatz im rauen Gelände, hier zeigen sich bei der verbauten Serien RockShox Pike SoloAir Federgabel die typischen bekannten Eigenschaften. Diese bestehen aus einem schwierig einzustellendem Setup - ein Beispiel: Beim Einsatz unter groben Bedingungen benötigt die Gabel eine härtere Abstimmung um bei Landungen nach Sprüngen oder starken Schlägen nicht durch zuschlagen. Im Gegenzug macht dies die Gabel bei feinen Unebenheiten unsensibel, was auf Dauer unter gemäßigten Geländebedingungen sehr anstrengt, da kraftraubend werden kann. Im Gegenzug könnte man nun die Gabel weicher abstimmen, damit diese feinfühliger wird - Konsequenz, der ein oder andere aufmerksame Leser weiß es sicherlich bereits, ist, dass die Gabel unter groben Anforderungen durchschlägt.
Hier fehlt es also an einer Kennlinie, welche Reserven im Endbereich des Federwegs bietet (Gabel müsste im letzten drittel härter sein).
Dieses Verhalten macht sich jedoch mit der originalen Plus Bereifung durch die Eigendämpfung der voluminösen Reifen kaum bemerkbar, wird aber um so deutlicher wenn man mit klassischer Breite unterwegs ist.

Der Hinterbau kommt bei aggressiver Fahrweise ebenfalls an seine Grenzen, dies jedoch nur aufgrund des begrenzten Federwegs. Hier ist der Federwegsverlauf deutlich dynamischer mit einem sensiblen Ansprechverhalten im ersten Drittel des Federwegs und einer zunehmenden Verhärtung gegen Ende dessen. Damit schlägt der Dämpfer selbst bei gröbsten Schlägen nicht durch ohne dabei unter normaler Beanspruchung feinfühlig zu bleiben. Hier wird deutlich, wie gut der Hinterbau in der Praxis funktioniert.

Zusammenfassend lässt sich das Fahrwerk also wie folgt beschreiben: Mit der Serienbereifung von 2,8" harmonieren Gabel und Dämpfer sehr gut, da diese Bereifung weniger aggressiv und hart gefahren werden kann. Wer gelegentlich auf 2,35" Reifen umrüstet, wird merken wie sich die dadurch beschrieben Fahreigenschaften verändern und so das Bike, mitunter fernab seines ursprünglichen Einsatzgebiets im Allmountain Sektor, an seine Grenzen kommt.
Aber genau diese Vielseitigkeit machen das Stereo Hybrid 140 27,5+ so interessant und begehrenswert.

Was gibt es sonst noch zu berichten?
Kettenklemmer, wie in unserem ersten Dauertestbericht nach 250km zu lesen, gab es im Verlauf der aktuellen Nutzungszeit keine mehr. Vermutlich lag dies also seiner Zeit tatsächlich am vergessenen und deaktivierten Shadow Hebel am Shimano XT Schaltarm. Nach etwa 550km hatte die erste Originalkette bereits einen Defekt und musste ersetzt werden. Womit dies genau zusammenhängt, konnten wir nicht ganz klären. Passiert ist das ganze unter absoluter Volllast bei einer Versuchsfahrt über 1000 Höhenmeter unter der höchsten Motoruntersützung. Womöglich führen Schaltvorgänge an der 11fach Kassette über mehrere Gänge auf einmal bei solchen Belastungen schnell zu Defekten, da die Kette zwischen Ursprungsritzel und Zielritzel unter bestimmten Bedingungen von einem Zahn aufgehebelt werden kann. Daher Gangwechsel material schonend immer nur einzeln vornehmen.

Das nachgerüstete Nyon Multifunktionsdisplay mit Navigationsfunktion funktioniert hier tadellos. Spätestens seit den letzen beiden, halbjährlich erscheinenden, Systemupdates ist Nyon seine Kinderkrankheiten los. Vor allem für die Fahrten auf Touren wollte ich dies Teil nicht mehr missen, da es sehr gut in das eBike System integriert ist und sich die daraus gewonnen Daten zum einen in Echtzeit auf dem großen Display verfolgen lassen, zum anderen zur späteren Auswertung über das dazugehörige Webportal eruiert werden können.  

Fast vergessen, weil bisher immer absolut zuverlässig, ist das Antriebssystem von Bosch. Es liegt ja etwas in der menschlichen Natur zumeist die negativen Dinge priorisiert zu behandeln, positive Dinge hingegen geraten schnell in Vergessenheit. Bei dem Bosch Performance CX Mittelmotor Antrieb, welcher in diesem Bike zur Anwendung kommt gibt es bis heute nichts auszusetzen. Absolut zuverlässig unterstützt der Elektroantrieb, gespeist aus einem 500Wh Akkupack, seinen Fahrer beim Pedalieren. Bei Bedarf entfesselt der Antrieb unter der höchsten Unterstützungsstufe brachiale Kräfte die mich erstaunen lassen welche Steigungen und Gelände damit fahrbar werden. Hierbei fühlt sich die zugeführte Leistung sehr natürlich an, da diese sehr kontrolliert, da dosier,t zur Entfaltung kommt. Die Praxis beweist, ein Anfahren in Steigungen von über 20% ist problemlos zu meistern.

Für gemütliche Gangarten dienen die kleineren Unterstützungsstufen für ein ausgedehntes und energiesparendes Touren. Strecken von 50km und 1000Hm sind im Zusammenspiel mit knapp 500Wh Energie aus dem Akku problemlos machbar. Wer es eilig hat, kommt bei Bedarf mit der zur Verfügung stehenden Energie in einer guten halben Stunde über 12km auf 1000Hm wie unsere aufgezeichnet Versuchsfahrt belegt.

mit abgesenktem Sattel werden die Enduro Gene erkennbar.


Für jeden Spaß zu haben, lässiger Floater auf unserem Haustrail im Wald



Die ausgewogene Geometrie des Stereo Hybrid ermöglicht eine leichte Gewichtsverlagerung und damit für eine ausgewogene Balance auf dem Bike. Hier mit Druck auf der Front um das Bike durch die anstehende Senke zu drücken. 
Auch Frau fährt gerne Pedelec Bike. Aufgrund der Fahreigenschaften gerne mit dem Plus Bike.


Fazit aktuell:
Nach gut 1000km auf dem Stereo Hybrid 140 27,5+ gibt es so gut wie nichts auszusetzen. Die Kiste läuft tadellos und bietet bedingt durch die Konstruktion sowie den verbauten Komponenten einen sehr großen Einsatzbereich. Einzige Schwachstelle, welche sich bedingt bemerkbar macht, ist meiner Ansicht nach die RockShox Pike Gabel. Ansonsten ein grundsolides Bike welches eine Menge Spaß bereitet und sicherlich noch lange von uns gefahren werden wird.

... mit 2,35" Bereifung


... und hier mit den original 2,8"er



Weitere Links zum Thema:
- Im Dauertest - CUBE STEREO HYBRID 140 HPA 500 27.5+ (250km)

1 Kommentar:

  1. Da ich es nie mit den Nobby Nic 2,8 gefahren bin kann ich nur über die Kombination WTB Bridger und Trail Boss 27,5x3.0 und jetzt aktuell über die Surly Dirt Wizzard 27,5x3.0 berichten.

    Die WTB haben schon sehr guten Grip im Vergleich zu den Nobby's und ein sehr schönes Volumen.

    Der absolute Knaller sind aber die Dirt Wizzard. Diese haben eine sehr steife Karkasse ein Profil ähnlich wie Maxxis Minion, unendlicher Grip.

    Kann man nur wärmstens empfehlen. Kein Vergleich zu den Erfahhrungen mit den Nobbys. 2,35 kommen mir nicht mehr ans Bike, wenn man mit den Surly eine derartige Performance haben kann.

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