Montag, 7. September 2015

Reifengröße 27,5+ / B+ auf dem eBike


Und erneut präsentiert uns der Markt eine neue Reifengröße: 27,5+ oder umgangssprachlich einfach B+ oder noch einfacher "+" ist ein Zwischending aus konventionellem Mountainbike Reifen und der zuletzt angesagten FatBike Reifen.

Also sozusagen ein Semi-Fat Reifen mit einer Breite um die 3,0" - das ganze auf einem 27,5" Laufrad mit großer Maulweite von mindestens 40mm. Dieser Reifen soll die Vorteile der konventionellen Bereifung mit denen eines FatBike Reifens vereinen und dabei alle positiven Eigenschaften vereinen.


Die Bikebranche, egal ob konventionelles MTB oder eMTB setzt insgesamt sehr auf Bikes dieser neuen Gattung. So waren auf der Eurobike bereits zahlreiche vollgefederte MTBs dieses Typs zu sehen. Auch in der Redaktion ist dieses Thema aktuell sehr dominant - mitunter polarisiert B+ unter uns Redakteuren. Wir wollen euch an unseren unterschiedlichen Einstellungen gegenüber B+ teilhaben lassen und würden uns freuen wenn auch ihr uns eure Gedanken zu Bikes mit der neuen Semi-Fat Bereifung mitteilt.

Zunächst wollen wir der Frage nachgehen, welches die dominanten Eigenschaften eines +Reifens sind.
+Reifen werden aufgrund ihres Volumens mit deutlich weniger Druck gefahren, als herkömmliche MTB Reifen. Je nach Typ um die 1,0bar. Diese Gegebenheit wirkt sich positiv auf das Überrollverhalten auf, da der Reifen selbst bereits feine Unebenheiten schluckt.

Erstaunlicher dabei, dass der Rollwiderstand bei ausgeschalteter Motorunterstützung im Vergleich zum klassischen 2,35" Reifen mit 1,8bar so gut wie kein Unterschied ausmacht.
Mit Motorunterstützung dürfte hier der geringfügige Unterschied im Rollwiderstand völlig unwesentlich werden, da er keinen Einfluss auf die Akkureichweite hat.

Ein weiterer Punkt ist die große Traktion, welche ein + Reifen mit sich bringt. Bekannt ist von der 29" Bereifung, dass hier die größte Auflagefläche zum Grund besteht. Da der 27,5+ Reifen durch das größere Volumen etwas höher aufträgt ist dieser durchaus mit der klassischen 29" Variante in Verbindung zu bringen. Diese nun kombiniert mit der Breite eines 3" Schlappen bietet ein Maximum an Traktion.


Dennoch liegt ein +Reifen trotz des niedrig Luftdruck darin sicher uns stabil auf der Felge. Dies bringt eben die große Maulweite, also der Bereich der Felge welchen den Reifen umfasst, mit sich. Hier hat die Reifen-Karkasse wenig Möglichkeiten auf seitliche Kräfte nachzugeben und bietet damit ein stabiles Fahrgefühl trotz 1,1bar Luftdruck.

Welches aber sind die Kompromisse, die auf +Biker zukommen können?
Zunächst besitzen die meisten +Bikes eine leicht veränderte Rahmenarchitektur, welche den neuen Boost Standard beinhaltet. Das Thema Boost werden wir noch einmal in einem eigenen Artikel behandeln, kurz gesagt handelt es sich hierbei um breiteren Achsstandard. Diese ermöglicht primär eine geänderte Kettenlinie und die Verwendung von breiteren Reifen. Zudem sollen Laufräder nach Booster Standard steifer sein, da die Speichen in einem spitzeren Winkel zur Achse angelegt werden können.
Der Abstand der Tretkurbeln steigt minimal (Q-Faktor).

Beim Gewicht ist noch nicht ganz klar, wie die Sache im Endeffekt ausgehen wird. Wahrscheinlich wird ein +Laufradsystem, bestehend aus breiter Booster Nabe, breiter Felge und entsprechendem Reifen etwas mehr Gewicht auftragen, als das klassische 27,5 System. In wie weit sich dies wiederum auf das Fahrverhalten auswirkt müssen Langzeittests in Erfahrung bringen. Auch die Pannensicherheit ist aktuell von uns noch nicht  über längere Zeit "erfahren".

Redaktionskollege Pede Lexle, experimentiert aktuell viel mit der neuen Reifengröße auf einem klassischen Cube Stereo Hybrid 140 herum uns sammelt dabei erste Erfahrungen. Meine Erfahrungen beruhen auf die Verwendung von kurzzeitig zur Verfügung stehenden Testbikes. Auf Basis dieser bleiben erste Eindrücke hängen die durchaus polarisieren.


Kommentar Will Lee zu B+:
Wieder eine neue Laufradgröße?!? - ja gut, die klassischen 27,5" Laufräder haben sich bei mir gegenüber der Jahrzehnt bewährten 26" durchgesetzt. Dies hat sich allerdings mehr durch den Umstand ergeben, dass es kaum noch 26" eFullys gibt. Nun also 27,5+. Wenn es einfach umzurüsten wäre, könnte ich mich damit anfreunden. Dann aber ein wahrscheinlich komplett neues Bike anschaffen nur damit ich diese neuen Reifengröße fahren kann - nein damit kann ich mich nicht anfreunden.
Welche Vorteile soll es mir bringen? Mehr Traktion? - mehr Pannensicherheit? - mehr.. mehr... mehr...?
Bisher habe ich auf meinem klassischen vollgefederten eMTB mit 27,5" Bereifung nichts davon vermisst.  

Sicherlich schlägt der Markt mit positiven Verkaufsargumenten um sich, da kann man leicht auf die Idee kommen etwas zu wollen was womöglich keinen wesentlichen Vorteil bringt.
Doch ganz so negativ wie es einem kritisch denkenden Konsument, wie ich es manchmal bin, darstellen mag ist es nicht.
Auf den von mir in letzter Zeit gefahrenen Bikes zeigt sich im direkten Vergleich, dass es tatsächlich deutlich mehr Traktion gibt. Ein 2,5er MagicMary hat auf weichem trockenen Waldboden das Nachsehen gegenüber einem 2,8er NobbyNic (Und dies ist noch einer der schmaleren SemiFat Reifen) - heißt praktisch formuliert, der 2,5er Vorderreifen rutscht zuerst.
Der Unterschied beim Vortrieb ist bei einem eMTB zu vernachlässigen, Pannen erlebte ich keine. Allesamt also Fakten die für einen + Reifen sprechen sollten.
Dennoch bin und bleibe ich zunächst weiter skeptisch da für mich noch viele Fragen offen sind, bzw. möchte zu einem finalen Urteil erst dann kommen wenn ich eine Saison auf einem +Bike zurückgelegt habe.



Kommentar Pede Lexle zu B+:
Also ich war vom Umstieg 26 auf 27,5 Zoll nicht wirklich begeistert damals. Ich finde auch heute noch vor allem hinten 26 Zoll wie beim Uproc6 ist unschlagbar was die Wendigkeit betrifft. Bei 27,5+ verhält es sich bei mir völlig anders.

Ich kenne noch die Zeiten der Nokian Gazzaloddi 3.0. Die hatten damals schon Traktion ohne Ende. Nur waren die viel zu schwer, hatten viel zu straffe Karkassen und meist zu schmale Felgen als Gegenspieler. Und das eMTB gab es auch noch nicht...

Die heutigen 27,5+ sind da was ganz anders. Ein Panaracer in 3,5 Zoll wiegt deutlich unter 800 Gramm. Seit Samstag fahre ich vorne einen WTB Bridger 27,5x3.0", der bringt es sogar auf der "relativ" schmalen W35 Felge auf stattliche 2,94 nachgemessene Zoll! Mit rund 0,9 Bar vorne gefahren stößt man hier vor allem auf Schotter und losem Untergrund in ganz andere Grip-Sphären vor. Auf einer standesgemäßen 45 oder 52 mm Felge wird der Effekt noch deutlich größer sein.

Auch das Rotwild X+ auf der Eurobikegefahren,  fährt sich meiner Meinung nach wesentlich angenehmer als die Schmalspurvarianten. Gerade beim eBike sehe ich keinerlei Argumente die gegen das neue PLUS-Format sprechen.

Und zum Thema Reifen-Lieferbarkeit: Solange es keine Schwalbe Reifen sind wird auch etwas verfügbar sein. Ich habe beim stationären Handel diese Jahr mehrfach versucht ganz normale Hans Dampf  zu bekommen. Wenn dann mal was da war dann höchstens ein traktionsarmer in Pace Star Mischung. Und ich spreche hier von namhaften Händlern im Stuttgarter Raum, selbst bei einem der größten XXL Massenhändlern war nichts vorhanden.

Mein Fazit:  PLUS macht Sinn und wird sich durchsetzen!


Übersicht einiger aktueller B+ eMTB:
SCOTT E-GENIUS 710 PLUS






Cube Stereo Hybrid 140 27,5+
Rotwild R.X+ FS
Haibike Sduro AllMTN Plus

Flyer Uproc7




1 Kommentar:

  1. Leider funktioniert für schwerere Fahrer der Durchschlagschutz Procore nicht, da die Felgen zu breit sind ( 40 bis 52 mm ). Sehr schade, da daher der niedrige Luftdruck bei 27,5+ nicht genutzt werden kann...

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