Freitag, 4. November 2016

Das Schwalbe Procore System – Revolution oder Rohrkrepierer (2)

Schwalbe hat bei der Präsentation seines Procore Systems den Mund ganz schön voll genommen. Nun stellen wir uns die berechtigte Frage ob die ganzen Werbeversprechen denn auch eingehalten werden konnten. Wir haben das Schwalbe Procore System an verschiedenen Bikes im Einsatz und wollen euch im folgenden Artikel sagen wie revolutionär Procore denn nun wirklich ist.


Kurze Zusammenfassung – was ist Procore genau?

Mit dem Procore hat Schwalbe ein neues Zweikammersystem entwickelt, das einen Tubelessreifen mit Hilfe eines dünnen Kernschlauchs mit zusätzlichen Vorteilen ausstatten will. Kurz gesagt soll der Procore die Felge vor Durchschlägen schützen und so dafür Sorge tragen, das Snakebites der Vergangenheit angehören. Zusätzlich kann der Reifen mit weniger Luftdruck gefahren werden, als bei herkömmlichen Tubelessreifen. Dies wiederum führt durch die größere Auflagefläche des Reifens für erheblich mehr Traktion.




Fazit nach einigen Monaten:
Es ist korrekt, dass die Reifen mit weniger Druck gefahren werden können. Bei unseren Schwalbe Hans Dampf 2.35 und Continental Baron 2.4 Reifen kommt das System mit rund 1.5 Bar in der Tublesskammer aus, daneben im Schwalbe NobbyNic 2,8" ein Druck mit 1,1bar. Drücke unterhalb dieser Marke machen die Reifen instabil und sie beginnen zu walken. Jedoch hatten wir selbst mit diesen geringeren Drücken seither keinen Snakebites mehr zu verzeichnen. Es scheint also tatsächlich zu stimmen, das Snakebites mit diesem System endgültig der Vergangenheit angehören.

Kommen wir zur Traktion die der geringere Luftdruck natürlich zwangsläufig mit sich bringt. Auch hier hat uns die Werbung nicht zu viel versprochen. Reifen mit einem Druck um 1.5 Bar haben spürbar mehr Traktion und es ist eine wahre Freude damit technisch anspruchsvolle Singletrails zu ballern!


Soweit so gut..... wären da nicht einige Punkte die uns die Werbung eindeutig verschwiegen hat.
Die recht aufwändige Montage hatten wir ja bereits in unserem ersten Artikel (Umrüstung auf das Schwalbe Procore System) beschrieben. Für einen nicht ganz so geübten Schrauber kann die Montage schon etwas sehr schwierig werden.

Was jedoch unserer Ansicht nach viel schwerer wiegt, ist die ständige Luftdruckkontrolle der jeweils zweiten Luftkammern in Vorder- und Hinterreifen. Der Procore (also der dünne blaue Kernschlauch) verliert quasi über Nacht bis zu 1bar an Druck. Das Ganze pendelt sich dann nach etwa einer Woche Standzeit unserer Erfahrung nach zwischen vier und fünf Bar ein. Es wird zwar nicht weniger, dennoch muss vor jeder Fahrt die Luftpumpe bemüht werden. Auch die Tubelesskammer ist nicht davor gefeit Luft zu verlieren. Hier haben wir jedoch sehr große Schwankungen festgestellt. Es gibt Reifen bei denen über Wochen so gut wie keine Luft aus der Tubelesskammer entweicht, was womöglich der Luft geschuldet ist, die aus dem Procore in die Tubelesskammer entweicht. Es gibt Reifen, wie den Schwalbe Hans Dampf, bei denen an einem Tag aus 1.8bar bis zum am nächsten Morgen 1bar werden. Hier hilft leider keine andere Tubelessmilch, wir haben verschiedene Milchsorten im Einsatz und das Ergebnis war stets das selbe. Der Austausch des Ventileinsatz brachte ebenso wenig Verbesserung.

Wie die Praxis über längere Zeit zeigt, ist es also zwingend notwendig vor jeder Tour den Reifendruck in allen 4 Kammern (pro Rad 2 Kammern) penibel zu prüfen um weiterhin von Snakebites verschont zu bleiben. Je höher der Druckverlust im Procore, desto höher steigt natürlich die Gefahr für Felgen und Reifen in Bezug auf einen Defekt. Die niedrigen Drücke in der Tubelesskammer tun ihr übriges dazu.

In unserem nächsten Teil unseres Procore Dauertests werden wir die Umrüstung eines bestehenden (gebrauchten) Procore Systems auf einen neuen Reifen beschreiben. Ob bzw. wie dies möglich ist und was sonst noch mit dem System in der Zwischenzeit passiert ist, werden wir euch dann detailliert berichten.







Weitere Artikel zum Thema:
Umrüstung auf das Schwalbe Procore System - Revolution oder Rohrkrepierer? (Teil 1)


1 Kommentar:

  1. Danke für den Zwischenbericht. Mittlerweile fahre ich seit über 1000 Trailkilometer mit Procore. Fazit: Ich möchte das System nicht mehr hergeben. Die Pannensicherheit ist bei korrekter Anwendung unschlagbar. Es stimmt , die Luftdrücke müssen wirklich sehr akribisch genau vor jeder Tour mittels Luftdruckprüfer geprüft werden.

    Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass der Luftverlust kein eigentliches Procore Problem ist. Meiner Meinung kann es passieren, dass die Tubelessmilch im Bereich des Presta Drehverschlusses (Ventilausgang)„verklumpen“ kann. Das führt dazu, dass das Prestaventil nicht mehr zu 100 abdichtet. Die Folge davon ist langsames Luftentweichen gegen aussen. Jedenfalls ist das zurzeit bei mir vorne der Fall. Ich muss regelmässig vorne den Innenschlauch aufpumpen. Hinten hingegen ist der Luftdruck über mehrere Tage konstant stabil.
    Problemlösung: Neues Prestaventil einschrauben und alles ist wieder dicht.

    Grüsse Philipp

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