Dienstag, 18. Oktober 2016

Der eMountainbike-Sport braucht einen Star!

Für die Industrie und den Handel läuft das Geschäft mit dem elektrifizierten Mountainbike seit einigen Jahren prächtig. Stetig zunehmende Verkaufszahlen belegen diesen Eindruck - der Elektroantrieb im Fahrrad sorgt für einen wahren Boom.
Nun gilt es voraus zu schauen und diesen Schwung zu nutzen um in der Bikebranche insgesamt die Position zu festigen und perspektivisch weiter auszubauen. Hierfür braucht es einen Star, einen ProRider in der eMTB Szene!




Meiner Erfahrung nach gibt es bei der Entwicklung und Akzeptanz des eMountainbikesports unglaublich viele Parallelen zum Snowboardsport. Als ich seiner Zeit in den frühen 90igern zum Snowboarden kam ,war das eine sehr spezielle Wintersportwelt voller Vorurteile.
Ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, dass die Akzeptanz des Snowboards unter den etablierten Skifahrern gleich Null war. Es gab anfangs sogar nur wenige Liftanlagen, die den "Transport" von Snowboardern überhaupt erlaubten.
Der etablierte, gepflegte Skisport bekam Besuch von einer neuen Generation -  den Snowboardern.
Damit einhergehend wurde ein Skigebiet völlig neu genutzt, die Kreativität und Möglichkeiten, welches das Snowboard mit sich brachte um einen Berg zu befahren war den Skifahrern völlig fremd. Eine Sitzbank war plötzlich nicht mehr nur zum Sitzen da, nein - man konnte auf sie springen und über diese sliden. Dann elegant den nächsten Baumstumpf aufsuchen, diesen mit einem lässigen 180er überspringen und rückwärts weiterfahren. Die Welt der Skifahrer wurde auf den Kopf gestellt, profitierte wie wir heute wissen aber auch enorm davon - siehe CarvingSki.

Ähnliches war vor allem in den Anfangsjahren des Pedelec Sports zwischen 2011 und 2014 ebenso zu beobachten. Die Möglichkeiten, welche ein elektrifiziertes eMountainbike mit sich bringt, stellen die traditionelle MTB Welt auf den Kopf. Nun kann plötzlich jeder halbwegs trainierte Biker die 1000Hm fahren und dabei dieselbe Abfahrt über Singletrails genau so genießen wie der durchtrainierte Hochleistungs-Biker. Oder es sind Steigungen fahrbar, die der Retro Biker bisher nur schiebend erklommen hat.
Dies schafft Unbehagen und löst eine ablehnende Haltung in unterschiedlichen Ausprägungsformen in der alten Welt aus.

Nun spanne ich wieder den Bogen zurück zum Snowboarden in den frühen 1990er Jahren, bzw. in den späten 80igern. Hier waren für den Durchbruch und die Akzeptanzförderung im wesentlichen eine Hand voll Profifahrer verantwortlich. Diese präsentierten ihr Können in Wettkämpfen und Imagefilmen und wuchsen zu Stars heran. Auf der amerikanischen Seite waren dies Sportler wie Craig Kelly, Jeff Brushie oder Shaun Palmer. Palmer ist vielen älteren Lesern sicherlich aus dem Downhill Bikesport Mitte der 90iger bekannt - hier sorgte der verrückte Amerikaner ebenfalls für Akzeptanz und Beachtung in Bezug auf diese Bikedisziplin.
In Europa gab es seiner Zeit junge Profisportler die das Snowboarden gesellschaftsfähig machten - allen voran Terje Haakosen (Freestyle), Reto Lamm oder Peter Bauer (Alpin).

Nun hat der eMountainbike Sport bereits erste Ansätze in Angriff genommen um sich weiter zu festigen, hat dabei jedoch das Problem der kaum vorhandenen Wettkampfstruktur. Das Ergebnis aktuell sind also in erster Linie Imagefilme zum eMTB Sport.
Um hier einige Beispiele zu nennen: Guido Tschugg - Haibike oder Stefan Schlie - Bosch.
Meiner Ansicht nach hat die Sache in diesem bestehenden Ansatz einen Haken - man setzt hier auf Bikeprofis welche nicht mehr sonderlich in Wettkämpfen aktiv sind und bereits ein fertiges Image mit sich bringen. Ich möchte hiermit die Leistung dieser beiden Beispiele nicht in Frage stellen, nein auch sie bringen den Pedelec Sport weiter voran. Es wäre jedoch substanziell betrachtet besser, junge aktive Fahrer in Verbindung mit dem eMTB zu stellen. Diese würden den Sport durch ihr Auftreten, der Kreativität sowie dem jugendlichen Spirit nochmals in ein anderes Licht stellen.

Um einen eMTB Star zu schaffen braucht es also junge, kreative, sportliche Fahrer, eine passenden Wettkampfstruktur und zahlungskräftige Sponsoren aus der Industrie welche Imagefilme, Wettkämpfe sowie Sportler (Teams) unterstützen.
Da das Mutterland des Mountainbikesports, die Vereinigten Staaten von Amerika, in Bezug auf das eMountainbike noch einige Jahre hinterher hinken, bleibt es also die Aufgabe europäischer Firmen hier Gas zu geben.
An fähigen jungen Bikern sollte es nicht mangeln.


Hier nun noch einige Videos, die den aktuellen Status dokumentieren.

Guido Tschugg - Haibike (Quelle: YouTube)


Nico Lau & Greg Gallaghan - Cube Bikes (Quelle: YouTube)


Stefan Schlie - Bosch (Quelle: YouTube)


Richie Schley - Rotwild (Quelle: YouTube)


Marcus Klausmann - Nox Cycles


Weitere Links zum Thema:
- Gedankenspiele - Wie könnte ein eBike Wettbewerb in Zukunft aussehen?
- Die Emanzipation des eMountainbikers
  

Kommentare:

  1. Nicht zu vergessen Marcus Klausmann. Laut euch ja auch schon unter den E-Bikern.

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    1. Marcus Klausmann Video auf wurde eben ergänzt. Danke für den Hinweis!

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  2. Hallo!
    In der Summe stimme ich dem Artikel zu! Vielleicht helfen Stars, die Akzeptanz zu bessern, aber sie dienen durchaus auch einer weiteren Umsatzsteigerung, die sicher nicht aus einem privaten Bereich zusätzlich angekurbelt werden muss. Auch bei Wartzeiten bis zu 6 Monaten und teils schwerer Verfügbarkeit einzelner Räder ist es fraglich, ob und wem dies nutzt oder weiterer Frust beim Warten entsteht.
    Wettbewerbe sind für die breite Masse schwierig! Schon jetzt werden die privat genutzten eBikes chipgetuned. Im Wettkampf wird dies sicher noch problematischer oder der Kontrollaufwand wird immens! Die Hoffnung durch Tuning so schnell wie Profis zu werden, liegt nahe und ist eine Versuchung ein E-Bike mit 45km/h im Strassenverkeht ist noch immer ein Unbekannter Verkehrsteilnehmer....

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    1. Es müsste eine speziell auf eMountainbikes abgestimmtes Wettkampfszenario sein. Wie das genau aussehen könnte bleibt offen.
      Meiner Ansicht nach sollte man im Wettkampf die 25km/h Regel aufheben und statt dessen durch die Akkukapazität beschränken. Parallel dazu einen Streckenwahl, die dazu zwingt nicht ständig mit der höchsten Unterstützung zu fahren. So könnte man ein Wettkampf spannend gestalten und die Charakteristik eines eMTB würde voll zum Zuge kommen.

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