Montag, 2. Mai 2016

Im Dauertest - CUBE STEREO HYBRID 140 HPA 500 27.5+ (250km)

Seit einigen Wochen sind wir nun auf unserem neuen Dauertestbike, dem Cube Stereo Hybrid 140 in der Plus Variante unterwegs. Plus Variante deswegen, da dieses Pedelec Bike gegenüber dem klassischen 140 über Semi-Fat Reifen in Form der 2,8" NobbyNic Reifen verfügt. Zwischenzeitlich haben wir einige wenige Hundert Kilometer zurückgelegt und dabei bereits einen ersten Eindruck zu diesem Bike gewinnen können.


Der Rahmen
Gegenüber den Vorjahresmodellen von 2014 und 2015 bekam die aktuelle Generation einen weit überarbeiteten Rahmen spendiert. Die wesentlichen Unterschiede zu den Vorjahresmodellen ist unter anderem die kürzere Kettenstrebe, welche Dank der geänderten Bauform des neuen Bosch Performance CX Mittelmotors realisiert werden konnte. Zudem wurde das Sitzrohr kürzer gehalten und daran entsprechend tief ansetzend das Oberrohr. Des Weiteren kommen die neuen breiten Naben nach dem Boost Standard zur Anwendung.


Auf dem neuen Rahmen fühlt man sich auf Anhieb sehr wohl, da die Balance noch einmal deutlich verbessert wurde. Vor allem die kürzere Kettenstrebe macht sich im Handling mit dem Bike sehr positiv bemerkbar. Hier ist das entlasten der Front nun wesentlich einfacher zu bewerkstelligen und erfordert deutlich weniger Kraftaufwand. Entsprechend muss das Körpergewicht, beispielsweise beim kurzen Anheben des Vorderrades oder beim aktiven Abspringen über einen Kicker, deutlich weniger Richtung Heck verlagert werden. Dies erleichtert das Handling mit dem Bike enorm, was eine kleine Umgewöhnung der Fahrtechnik mit sich bringt (wer denn vom Vorjahresmodell kommt). Im Gegenzug bleibt die Front in steilem und verblocktem Gelände auf dem Boden, auch hier Zeugnis einer ausbalancierten Rahmenarchitektur.
Durch die serienmäßige variable Sattelstütze Rock Shox Reverb mit Lenker Fernbedienung kommt man auf Knopfdruck stufenlos und ohne anhalten zu müssen tiefer in der Sitzposition und damit von "auf" dem Bike mehr "in" das Bike. Dies ist sehr von Vorteil bei rasanten und steilen bergab Fahrten da der tiefere Körperschwerpunkt mehr Sicherheit im Grenzbereich bietet.

Der Antrieb
Die Antriebseinheit besteht aus dem neuen Bosch Performance CX System, gespeist aus einem großen 500Wh starken Akkupack.
In Serie ist als Boardcomputer hier die klassische Intuvia Einheit montiert.
An unserem Bike haben wir den Multifunktionsboardcomputer Nyon mit vielen Zusatzfunktionen nachgerüstet. Irgendwie gehört Nyon mittlerweile bei uns zur festen Ausstattung eines Bosch eBikes, da die zusätzlichen Fahrdaten sowie die Navigationsfunktion sehr wertvoll und komfortabel für den Einsatz auf Tour sind.
In Kombination mit dem Shimano XT 11fach Schaltwerk mit einer Spreizung von 11 zu 42 Ritzel ist man mit diesem Antrieb für jeden Einsatz gewappnet. Gegenüber einem 10fach (11-36) Schaltwerk wird hier besonders deutlich, dass sich in den niedrigen Unterstützungsstufen ECO und TOUR vor allem Bergauf wesentlich effizienter und damit energieschonender fahren lässt.
Unter den Hohen Stufen SPORT und TURBO entfesselt der CX Antrieb eine unglaubliche Power und treibt den Fahrer unermüdlich über Stock und Stein. Dabei bleibt die große Kraft jedoch sehr gut steuerbar.
Als Beispiel dient hier das Anfahren auf einem schlüpfrigen Untergrund im steilen Gelände. Beim ersten Druck auf das Pedal wird nicht sofort die volle Kraft entfaltet, diese setzt erst zunehmend nach etwa einer viertel bis halben Kurbelumdrehung voll ein - also erst wenn man einige Zentimeter in Fahrt ist.
Bei den Gangwechsel ist auffällig, dass der Antrieb beim schalten in einen höheren Gang mit folgender niedrigeren Kadenz subjektiv betrachtet zunächst ein kurzen Moment etwas mehr Power als eingestellt bringt, bis die Trittfrequenz für den Antrieb wieder etwas höher und damit effizienter ist.

Unter Stufe Turbo, also mit 300% Unterstützung, ist der Energiehunger deutlich zu erkennen. Daher macht in diesem Zusammenspiel ein 500Wh Akku absolut Sinn wenn man beispielsweise auf unserer 1000Hm (12km) Testsrecke mit voller Unterstützung an das Ziel kommen möchte.

Einige wenige male ist es bisher vorgekommen, dass sich die Kette unter sehr schlammigen und feuchten Bedingungen nicht sauber vom 15er Ritzel auf der Tretlagerachse abgewickelt hat. Die Folge war, dass sie mit dem zulaufenden Teil der Kette in Berührung kam und sich dabei direkt zwischen Kettenführung der Motorhülle und Kettenblatt verklemmt hat. Von dort war sie von Hand nicht wieder zu befreien. In unserer Werkstatt musste der Kettenschutzring abmontiert und die Kette dann beherzt ausgehebelt werden.
Alternativ hätte man vor Ort versuchen können die Ketten mit einem entsprechenden Werkzeug zu öffnen und zu entzerren.
Das ganze passierte übrigens bei schneller Fahrt von etwa 35km/h auf einem Trail im 9. Gang.
Wie sich zwischenzeitlich bei uns gezeigt hat, tritt dieses Problem vereinzelt nur auf wenn Shadow Plus am Schaltwerk ausgeschaltet ist. Aktiviert man diese Funktion über den grauen kleinen Hebel, so schwingt der Schaltswerksarm deutlich weniger und die Kette bleibt bei Unebenheiten straffer und wickelt sich dann nicht mehr ein.


Das Fahrwerk
Das Fahrwerk besteht, wie bereits im vergangenen Jahr bei der 140 Race Variante, aus einer RockShox Pike Gabel und einem Fox Float Dämpfer. Hinzu kommt die Semi-Fat Bereifung in Form der 2,8" breiten Schalbe NobbyNic Reifen. Getragen werden die Reifen von DT Swiss Laufrädern mit einer Maulweite von 40mm.
Gabel und Dämpfer in ihren Eigenschaften zu beschreiben, wird etwas durch die dämpfenden Semi-Fat Reifen verzerrt. So fällt hier das sensible Ansprechverhalten durch die Kompensation der Reifen weit weniger auf als unter klassischer härterer Bereifung. Insgesamt fühlen sich Gabel und Dämpfer sehr gut an, da sie den Federweg je nach Anspruch verlässlich freigeben. So wird der Hinterbau, gedämpft und in Bewegung gehalten durch das Fox Federelement, bei Arbeit im Grenzbereich zunehmend härter. So lässt sich der Dämpfer zum einen feinfühlig einstellen und fahren und bietet im Gegensatz dazu bei Landungen von Sprüngen oder Drops genügend Endhärte um nicht durchzuschlagen.


Die Pike Gabel bietet über den kompletten Federweg einen Anfangs weichen, gegen Ende etwas härteren Widerstand. Persönlich wurde ich mit noch keiner Pike Solo Air Gabel so richtig warm, da mir die Abstimmung sehr schwer fällt. Entweder ist sie für meinen Fahrstil zu weich und schlägt bei groben Schlägen durch oder sie ist zu hart und verliert dann im ersten drittel des Federwegs an Sensibilität. Meine Redaktionskollegen können diese Beschreibung nicht nachvollziehen, pflegen dabei aber auch einen anderen Fahrstil und sind mit der Arbeit der Gabel sehr zufrieden.

Die Schwalbe Semi-Fat Reifen bieten ein deutliches Plus in Sachen Traktion und Fahrkomfort gegenüber klassischer Reifen. Kein Wunder, denn schließlich werden die 2,8" Reifen mit deutlich reduziertem Luftdruck gefahren. Aktuell haben sich hier 1,0bar vorne sowie 1,3bar hinter als halbwegs haltbar erwiesen.
Zunächst hatten wir beide Reifen auf Tubeless umgerüstet, dabei vorne 0,9bar gefahren und hinten 1,1bar. Bereits nach der ersten Ausfahrt auf unserem Haustrail, an dessen Ende ein fünf Stufen Drop folgt, musste der Hinterreifen durch einen Snakebite auf der Lauffläche aufgeben. Bei solch einem Defekt hilft auch keine Dichtmilch mehr. In Folge dessen wurde dann ein Kenda Schlauch in den Hinterreifen eingezogen und auf 1,2bar aufgepumpt. Auch hier wieder Snakebite bei der Landung eines kleinen Sprungs.
Der defekte Schlauch wurde nun aktuell durch einen Maxxis Schlauch mit 1mm Wandstärke getauscht, dieser mit 1,3bar gefahren hält nun schon seit einer ganzen Weile.

Ein Nachteil der +Reifen ist das etwas träge Steuerverhalten. Bedingt durch ein etwas höheres Gewichts des gesamten Laufrads fehlt es bei schnellen und verblockten Passagen an Präzession beim ansteuern der gewählten Linie. Hier fällt mit öfters auf, das vor allem bei schneller und technisch etwas anspruchsvolleren Fahrt die gedachte Linie deutlich schwerer zu halten ist. Praktisch betrachtet verfehlt man plötzlich den ersten Schlüsselpunkt etwas und der ganze Rhythmus an den drauf folgenden Punkten geht etwas verloren. Erstaunlich dabei, wie fehlerverzeihend ein +Reifen dann doch sein kann. Denn trotz ungenauem fahren geht es meist sorgenfrei weiter.


Die Bremsen
Zum Schluss noch kurz ein Blick auf die Bremsen. Vor allem in Kombination mit den haftungsstarken +Reifen erwarte ich von einer Bremsanlage, dass sie sowohl Vorder- wie auch Hinterreifen in jeder Situation blockieren kann. Mit der Magura MT5 Vierkolben "Zange" haben wir hier ein würdige Bremse im Einsatz. Die enorme Bremspower kann die große Traktion der breiten Reifen über die 180er Scheiben zuverlässig in Verzögerung umsetzten. Selbst auf festen Untergründen wie einer trocken Strasse oder einem festen Waldweg lässt sich das Vorderrad durch einen provokanten Zug am verstellbaren Bremshebel kurz blockieren. Dabei ist die Bremskraft gut zu dosieren und leicht auszulösen.
Bei längere Bergabfahrten mit vielen kurzen Bremsaktionen bleibt die Leistung recht konstant und zuverlässig.

Solche Aktionen sind für das Bike an sich kein Problem. Das Fahrwerk kompensiert die harte Landung über 140mm Federweg. Lediglich die +Reifen haben bei solchen Aktionen Probleme mit der Haltbarkeit.  



Fazit zum ersten Eindruck:
Das neue Stereo Hybrid 140 in der 27,5+ Variante macht uns in der Redaktion eine Menge Spaß, da es ein Pedelec Bike für nahezu jeden Bikertyp ist. Dem Einsatzzweck als Allmountainbike werden die +Reifen voll gerecht, da die dominanten Vorteile wie Traktion und Fahrkomfort dem Einsatz  in dieser Kategorie sehr entgegenkommen. Beim groben Einsatz fehlt es den +Reifen noch etwas an Standfestigkeit, hier muss man sehen was die Reifenhersteller in Zukunft noch auf den Markt bringen werden.
Die Geometrie ermöglicht eine sportliche aber dennoch angenehme Sitzposition auf dem Bike. Damit lassen sich sowohl längere Touren als auch rasante bergab Action mühelos umsetzten.
Zum Preis von 4799€ bekommt der moderne eMountainbiker ein sehr gutes Ausstattungspakte, welches top aufeinander abgestimmt ist und somit ein sehr attraktives Preis- Leistungsniveau wiederspiegelt.
.

Der Serien Alulenker wurde durch ein Modell aus Carbon ersetzt. Dies entlastet die Front um gut 100 Gramm. Zudem wurde Boschs Multifunktionsboardcomputer Nyon nachgerüstet. Mit der Position der Lenkerfernbedinung für Nyon wird aktuell noch etwas experimentiert. Momentan liegen Remote für die Variosattelstütze, Home-Button und Joystick auf einer Linie. Darüber und darunter liegen auf kurzem Wege für den Daumen die +/- Wipptaste zur schnellen Anwahl der Untersützungsstufe. Insgesamt sitzt das Nyon Bedienelement dadurch sehr tief und ist dadurch sehr gut zu bedienen. 

Der Sattel ist ja immer so eine Sache. Der Seriensattel wurde durch ein Ergon SME3 Modell ersetzt, in Größe M etwas breiter und dadurch angenehmer für das Gesäß. 

Bestens für das Touren geeignet, die Sitzposition ist eher aufrecht und zentral über dem Bike. Auf solch einem festen Waldboden wie hier zu sehen bieten die 2,8" Reifen enorme Traktion.

Kletteraktion über Wurzelpassagen - die Körperbalance auf dem Bike lässt sich je nach Anforderung einfach variieren. 

Solche leichte Sprünge verkraften die Plus Reifen gut. Wird es höher und wuchtiger kann der Reifen/Schlauch dies schon einmal mit einem Snakebite quittieren. Dem könnte man mit einem höheren Luftdruck in den Reifen entgegenwirken, dies wiederum würde die positiven Eigenschaften der breiten Reifen schmälern. 

Eine saubere und schnelle Linienwahl ist mit den breiten Semi-Fat Reifen nicht ganz so einfach. 




Weitere Links zum Thema:
CUBE STEREO HYBRID 140 HPA 500 27.5+ - Fotostrecke
- Generation B+
- Reifengröße 27,5+ / B+ auf dem eBike
- Cube Stereo Hybrid 2016 - Die neuen Bikes gesichtet!
- Link zum Hersteller


Kommentare:

  1. Bin sehr gespannt auf den Reichweiten Test bis zum Gipfel.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sobald der Berg schneefrei ist gehen wir das an!

      Löschen
  2. Endlich gibt es Neuigkeiten zu dem Bike!Danke dafür!
    Ich freue mich schon auf Videos!

    AntwortenLöschen