Montag, 11. April 2016

Die Emanzipation des eMountainbikers

Etwa seit fünf Jahren existiert eine neue Art sich im Gelände auf zwei Rädern zu bewegen - wir sprechen hier von eMountainbikes. Das "e" vor dem klassischen Mountainbike signalisiert, dass sich das fortschrittliche Geländefahrrad weiterentwickelt hat, es ist elektrifiziert - verfügt über einen elektrischen Hilfsantrieb und einen Akku um die Fahrt durch unwegsames Gelände zu unterstützen. Für die meisten klassischen Biker ein absolutes No-Go, ein MTB mit Hilfsantrieb. Doch die Zeiten ändern sich, die Dominanz der eBiker wächst und bietet zugleich völlig                                                           neue Möglichkeiten.



Zurückblickend auf die letzten Jahre als eMountainbiker fallen mir immer wieder enorme Parallelen zu meiner Zeit als aktiver Snowboarder auf. Seiner Zeit, vor allem zu Beginn Anfang der 90iger Jahre, hatte das Snowboard in den europäischen Wintersportgebieten einen enorm schweren Stand. Skifahren war Standard, das junge wilde und rebellische Snowboarden stellte diese Welt der Skifahrer seiner Zeit komplett auf den Kopf. Es gab mitunter Feindseligkeiten zwischen Skifahrern und Snowboardern, welche in seltenen Fällen zu ernsten Auseinandersetzungen führten. Dennoch hat der Skisport letztendlich durch die von Snowboard abgeleitete Carving Technologie (enge Taillierung um geschnittene Schwünge fahren zu können) profitiert.

Die selben Feindseligkeiten erlebe ich auf Internetplattformen klassischer Mountainbiker, allen voran sei hier Deutschlands größte Community IBC (Internet Bike Community) genannt. Dort hatte ich zu Beginn meiner Zeit als Pedelec Biker folgende Frage gestellt: "Was ist eigentlich das Problem mit den E-Bikern?".
Die Reaktionen darauf sind bis heute erschütternd und zumeist geprägt von Hass und Anfeindungen. Dies zeigt sich in der echten Welt als weitaus weniger dramatisch - dennoch findet auch hier eine gewisse Ausgrenzung und Unsicherheit seitens klassischer Mountainbiker statt.


Nun hat die Erfahrung der letzten Jahre bei der Nutzung eines elektrifizierten Mountainbikes gezeigt, dass dieses ein unglaubliches Potenzial hat. Es gibt völlig neue Möglichkeiten ein Bike im Gelände und auf den Berg zu bewegen. Da die Wurzeln der "e"-Variante auf der klassischen, motorlosen beruhen, erfolgte die bisherige Entwicklung oft basierend auf daraus resultierenden Standards und Entwicklungen.
So gibt es seit 2015 nahezu jedes klassische Bike auch als motorisierte Variante. Dabei wird nun immer mehr deutlich welche Vorteile ein Hilfsmotor in einem Fahrrad mit sich bringt.

Herausragende Beispiele hierfür sind Lastenräder und eMountainbikes. Lastenräder lassen sich aufgrund des hohen Gewichts und der daraus gegebenen Trägheit nur schwer durch reine Muskelkraft bewegen - der Elektromotor zur Unterstützung kommt hier wie gerufen.
Ein Mountainbike wird oft durch unwegsames steiles Gelände bewegt und erfordert vom Fahrer der motorlosen Variante dadurch mitunter eine enorme Fitness, ein Fahrrad bewegt über Stock und Stein rollt einfach schlecht über solche Hindernisse weil es ursprünglich für die Straße gedacht war.
Ein Hilfsmotor im Mountainbike vereinfacht die Fahrt durch die zusätzliche Leistung und zeigt mitunter völlig neue Möglichkeiten der Nutzung auf.
Bei einem Rennrad hingegen macht ein Hilfsmotor keinen Sinn - es wird auf einer Straße zumeist oberhalb der in der EU für Pedelecs gesetzlich bestimmten Geschwindigkeitsbegrenzung von 25km/h bewegt.

Entwicklungen wie Nyon von Bosch gehen einen Schritt weiter und nutzen die neu gewonnen Möglichkeiten eines eBikes indem hier aus dem eBike System gewonnen Fahrdaten aufbereitet und in Funktionen wie Navigations und Fitness Programme integriert werden.
So ein großer Bildschirm, wie der Nyon Boardcomputer es mit sich bringt, mag für klassische Biker befremdlich gar ablehnend wirken. Dennoch sieht man wie hier eine technologische Weiterentwicklung exklusive Möglichkeiten schafft und damit das eBike emanzipiert.




Betrachtet man nun die Eigenschaften eines eBikes so ergeben sich viele visionäre Möglichkeiten:
Bikeparks könnten spezielle eMTB Strecken anlegen, welche bereits bergauf die sonst langweilige Fahrt zum Spaß werden lassen. Selbst in flachen Regionen, könnten dank e-Antrieb im Rad spezielle Bikeparks entstehen, vielleicht kann hier der Motocross als konkreter Ideengeber dienen.
Wettbewerbe könnten ebenfalls völlig neu gestaltet werden, für den Zuschauer attraktiver und somit publikumsfreundlicher da kompakter und übersichtlicher als klassische Bikerennen.
Sportvideos dienen zumeist als Imageträger und sollen zeigen was möglich ist, hier könnten ebenfalls ganz neue Wege beschritten werden. Weg von dem, was uns das klassische biken bisher gezeigt hat - dahin, was mit einem normalen Bike nicht fahrbar wäre.

Ein weiterer Aspekt in Bezug auf die sportliche Nutzung, stellt das gezielte Training in einem bestimmten Pulsbereich da. Schon heute gibt es integrierte Boardcomputer, wie Nyon (Bosch) oder Garmin (Specialized/Brose), die den Puls in Echtzeit erfassen und verarbeiten können. Hier wäre denkbar, dass die Unterstützungsstufen automatisch dem vorher definierten Traingsprogramm angepasst werden, so dass immer in einem bestimmten Bereich trainiert werden kann - unabhängig von der Streckentopographie.
Genau so ließen sich auf einer definierten Strecken virtuelle Mitfahrer oder eine Art "Ghost" Fahrer in einem vernetzten eBike dazu nutzen, in einer attraktiveren Form gegen die Zeit zu fahren.

Lässt man die Gedanken bezüglich visionärer Idee schweifen und löst sich dabei von der klassischen etablierten Nutzung, fallen sicherlich noch viele weitere Dinge ein die verwirklicht werden könnten - hier sind wir auf eure Kommentare gespannt!



eMountainbikes stehen an der Schwelle sich von klassischen Bikes abzugrenzen, weiter zu entwickeln und neue Wege im Bikesport zu öffnen. Nehmen wir die Chance wahr und gehen unseren eigenen Weg.
Nach außen zurückhaltend, dennoch bestimmt gilt es den Mountainbikesport aktiv zu verändern - sei es für die Industrie wie auch dem einzelnen eBiker an sich. Kreativität und Mut sollten hierbei eine treibende Kraft sein.

Es bleibt also spannend zu sehen wohin die Reise weiter geht. 
Schreiben wir Geschichte.


Video von Greta Weithaler & Jan Carlsen - ein schönes Beispiels dafür wie modernes eBiken auf technisch hohem Niveau aussehen kann.


Vinschgau fully loaded von Jan 221ti - Mehr Mountainbike-Videos - Quelle: MTB-News (Videos)


Weitere Links zum Thema:
- Gedankenspiele - Wie könnte ein eBike Wettbewerb in Zukunft aussehen?

Kommentare:

  1. Da lässt sich programmtechnisch sehr viel realisieren.
    Letztlich bin ich zu pedelecer geworden weil ich wegen meiner Knie nicht längere Zeit über 100 - 150 Watt gehen sollte.
    Da wäre ein trainigsmodus gut der generell erst ab z.b. 100 Watt Eigenleistung mit der Unterstützung einsetzt.

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  2. Video ist klasse! Mit meinen Hai (Sduro AllMtn) macht das Bergauffahren auf verblockten steilen Pfaden genauso viel Spass wie das runterfahren.E-Mountainbiken muss man selber erfahren und dir öffnet sich eine neue Dimension des Mountainbiken.
    Gruß Lord Helmchen

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  3. Danke für dir schönen Aufnahmen .. bin bald wieder da, mit dem Scott E Genius 710 plus ... freu mich schon. Danke.

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