Dienstag, 26. April 2016

Der eMountainbiker - Vollgas Agent oder Energiefuchser?

Nachdem ich nun seit einigen Jahren ausschließlich auf einem Pedelec Mountainbike unterwegs bin und die Erfahrungen darüber in diesem Blog niederschreibe, bringt es die Zeit mit sich mit immer mehr gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Hierbei fällt mir auf, dass es unter den Pedelec-Bikern durchaus beachtliche Unterschiede bei der Nutzung eines elektrifizierten Mountainbike gibt. Im wesentlichen sind es wohl grundlegend zwei unterschiedliche Typen - die "Vollgas Agenten" und die "Energiefuchser".


Wie der Beschreibung zu entnehmen ist, unterscheide ich diese beiden Typen grundlegend durch die gewählte Unterstützungsstufe. So ist die Vollgas Fraktion zumeist permanent unter der höchst möglichen Motoruntersützung im Wald unterwegs. Nicht selten wird dabei zusätzlich eine Tuningmaßnahme angewandt, welche die gesetzlich limitiere Unterstützung bei 25km/h aufhebt.
So geht es mit maximalem Vortrieb durch das Gelände, Spaß und der Geschwindigkeitsrausch stehen dabei im Vordergrund und unterstreichen damit die Dominanz gegenüber dem motorlosen Biker in jeder Situation.
Mit mehreren Akkupacks bestückt, kann so in kürzester Zeit eine mehr oder weniger große Tour absolviert werden. Oder die Trailrunde kann einfach viel häufiger und schneller gefahren werden als es beispielsweise den motorlosen Kollegen möglich wäre.

Dem gegenüber steht der bewusst energiesparende eMountainbiker. Er bewegt sich zumeist nur in den kleinsten Unterstützungsstufen oder schaltet diese, wenn möglich, ganz aus um eine möglichst große Reichweite zu erzielen. Dabei quält er sich mitunter Bergauf wie ein motorloser Kollege und erzielt eine Art von Vergnügen unter anderem daraus, durch monotones und intensives pedalieren in einen Rausch zu verfallen.
Oberflächlich betrachtet mag die Frage aufkommen, weshalb nicht gleich ein leichtes motorloses Bike?
Bei genauer Betrachtung ist die Antwort dazu jedoch klar - ein Pedelec-Biker hat immer die Möglichkeit soviel Unterstützung zuzugeben, so dass er zum einen in einem für den Kreislauf gesunden Bereich unterwegs sein kann und darüber hinaus so gut wie immer in Fahrt bleibt.


Wie wirken diese beiden Typen auf das Umfeld?
Meiner Beobachtung zufolge lassen sich Pedelec-Biker grundlegend in diese beiden beschriebenen Typen unterscheiden. In diesem Zusammenhang ist nun interessant, welches Bild der eMountainbiker nach außen abgibt.
Aktuell zeigt sich deutlich, dass die zunehmende Dominanz der eMountainbiker in der klassischen Bike Welt als eine Art Bedrohung aufgefasst wird. Diese Bedrohung resultiert aus dem Umstand, dass der elektrifizierte Biker einfach über mehr Leistung verfügt.
Man stelle sich also vor, ein Retro Biker trainiert mindestens drei mal in der Woche, opfert viel Zeit und Energie um gut zu werden. Doch dann wird er von irgendeinem daher gefahrenen eBiker deklassiert, im Uphill locker überholt.
Das dieser Sachverhalt einen benachteiligten Biker kränken kann, sollte jedem eMountainbiker bewusst sein. Um das Miteinander nicht noch weiter zu strapazieren, sollte der stärkere also einfach etwas Rücksicht auf den schwächeren nehmen.

Vor allem der "Vollgas Agent" sollte sich an dieser Stelle deutlich zurück nehmen und nicht die komplette Dominanz des Leistungsstarken Hilfsantrieb ausspielen. Einen Retro-Biker nur langsam zu überholen gibt schon einmal ein anderes Bild ab, als mit 20km/h Geschwindigkeitsüberschuss im Uphill vorbei zu rauschen.

Der Energiefuchser kann aufgrund seiner Fahrweise versuchen ein paar Kilometer mit dem klassischen Biker mitzufahren und dabei das Gespräch zu suchen. Ein persönlicher Austausch war schon immer das beste Mittel um Konflikte erst gar nicht enstehen zu lassen oder um Aufklärung zu betreiben.  

Letztendlich sollten wir zusehen unsere Leistungsdominanz nicht gedankenlos zu missbrauchen, sondern zusammen mit den klassischen Bikern an einem Strang zu ziehen.
Auch untereinender sollten wir die ein oder andere Art wie ein Pedelec zu fahren ist nicht verurteilen. Ein Pedelec Bike bietet einfach vielerlei Möglichkeiten und öffnet damit völlig neue Wege im Mountainbikesport.


In diesem Sinne - Mit Rücksicht auf unser Umfeld gemeinsam voran!

Kommentare:

  1. Die Beschränkung auf zwei Typen ist m.E. zu einfach. Es gibt alle Schattierungen zwischen Vollgas Agenten und Energiefuchser. Persönlich sehe ich mich irgendwo dazwischen. Fahre grundsätzlich mit eingeschalteter Unterstützung, möglichst in ECO. Bergauf quäle ich mich aber nie und nutze alle Unterstützungsstufen, je nach Bedarf. Bedarf bedeutet für mich, je nach Lust und Laune und Tagesform.
    Bezüglich Zusammenleben mit Retro-Bikern kann ich den Voten von Will Lee nur zustimmen.

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  2. Macht ja auch beides Laune, wobei ich auch eher der Trial Typ, weniger Speed Typ bin. Finde es auch etwas lächerlich, bergauf den Motor Power „raushängen“ zu lassen, bin Jahrzehnte ohne Motor unterwegs gewesen :=)
    Das man mit Spaziergängern, anderen Bikern höflich umgehen sollte, eigentlich klar. Man muss Vorurteile nicht noch bestätigen, wäre langfristig kontraproduktiv.

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  3. Hallo,
    ich fahre seit ca. 30 Jahren MTB. Seit etwas über einem nun mit E. Ich gehöre, abhängig der mir zur Verfügung stehenden Zeit, zu beiden Typen. Wenn ich abends nur eine Stunde Zeit habe ballere ich mit allem was geht (Motor und Eigenleistung) durch den Wald. Wenn ich den ganzen Tag Zeit habe fahre ich mit wenig Unterstützung und auch langsamer als Genußbiker. Das Ziel ist aber immer ausgepowert und glücklich Heim zu kommen.
    Zum Thema Retrobiker gegen Ebiker kann ich nur sagen: Werdet endlich erwachsen!!!
    Was soll das denn immer Skifahren gegen Snowboarder, Auto gegen Motorradfahren oder gar Islam gegen Christen!!!
    Wir sind alle Menschen Und wollen nur unseren Spaß.
    Am besten wäre das der Fall miteinander...

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  4. Hallo zusammen

    Vollgasente oder Energiefuchser......

    Als Genusstourenfahrer in den Alpen ( Karwendel, Südtirol,
    Österreich )und anderen "Gebirgen" stellt sich die Frage so nicht.

    Die schönsten Touren sind hier eben zwischen 50 und 80 Km und
    um die 1500 Höhenmeter da heist es schon mit der Akkuenergie
    haushalten und in den 20% Steigungen die Eigenenergie zu schonen.

    Bei dieser Fahrweise sind die Begegnungen mit den Retros
    überwiegend sehr Positiv und wecken eher Interesse an meinem
    Haibike XDURO AllMtn RX.

    Wenn ich auf diese weise mit einem Retro im Eco/Tour Modus mitfahre
    sind da schon mal mit 20% Akkuladung 600 hm drin.

    Die locals die einem da während der Tour begegnen haben da kein
    Problem mich abzuhängen was mich nicht stört und sie sehr motiviert :-)

    Allein auf dem Abend Trail gibts dann Vollgas :-)

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  5. Ich fahre seit 20 Jahren MTB und seit 2 Jahren ein E-MTB.Und ich halte wenig davon,mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit durch den Wald zu ballern und arglose Wanderer zu erschrecken.
    Ich nutze die Unterstützungsstufen eher wie einst das Dreifachkettenblatt vorn.Und in der Ebene hab ich durchaus schon andere MTBler dazu animiert,mich zu überholen.
    So hatten diese ihre Genugtuung und ich auch.

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Ware Worte, wilde Sau kann man spielen wenn keiner im Weg ist. Bei Publikumsverkehr jeglicher Art sollte Rücksicht und Respekt oberste Priorität haben. 

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