Montag, 29. Februar 2016

Integration - Die nächste Evolutionsstufe beim Ebike

Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile zahlreiche etablierte Pedelec Antriebssysteme auf dem Markt zur Verfügung stehen welche zuverlässig funktionieren, stellt sich die Frage wie sich das eBike generell in naher Zukunft weiterentwickeln wird.
Die nächsten Schritte bestehen meiner Ansicht nach aus der weiteren Systemintegration von Antrieb und Akkupack in das Bike. Einige Firmen wie Flyer, Stromer, Brose oder das jungen Entwicklerteam um Fazua haben hier bereits interessante Ansätze in Arbeit.




Bosch Classic
Wenn wir uns einige Jahre zurück erinnern, so war das Thema der optischen Motor- und Akkuintegration in den Rahmen deutlich zweitrangig anzusehen. Primär ging es zunächst darum, Systeme auf den Markt zu bringen, welche in der Masse zuverlässig funktionieren und damit die Weichenstellung für eine Etablierung auf dem Fahrradmarkt ermöglichten. Bestes Beispiel ist hier Bosch eBike Systems, hier wurde die erste Generation des Mittelmotors ursprünglich als optisch wenig ansprechendes Anhängsel zentral unter dem Bike konzipiert. Das Akkupack war kantig und hatte mit den Konturen eines Fahrradrahmens so gut wie keine Übereinstimmung. Die großen positiven Aspekte seiner Zeit in diesem Antrieb lagen in zuverlässiger Funktionalität sowie der großen Leistungsentfaltung vor allem unter längerer Volllast.

Bosch Classic in Haibike
Es dauerte allerdings nicht lange bis sich erste Fahrradhersteller daran machten, den Bosch Mittelmotor der ersten Generation praxistauglicher in den Rahmen zu setzten. Allen voran sei hier die Firma Haibike zu erwähnen. Die einfache aber geniale Idee seiner Zeit bestand darin den Motor nach oben in den Rahmen zu drehen, so dass eine klassische Bodenfreiheit gewährt war und der recht klobige Motor dadurch zentral im Rahmen ein Teil des Pedelecs wurden.



Etwa fünf Jahre später verfolgen die Hersteller immer deutlicher den Ansatz Antrieb und Akku so in das Rad zu verbauen, dass diese so wenig wie möglich auffallen. Die technische Entwicklung der Antriebseinheit hingegen besitzen eine hohe technische Reife und damit einhergehend Zuverlässigkeit bei der Nutzung. Daher scheint hier zunächst ein Level erreicht welches primär zunächst keiner weiteren Optimierung bedarf  - ferner natürlich werden hier weitere Verbesserungen wie etwa Getriebeschaltungen kommen.
Cube Stereo Hybrid Rahmen mit Bosch Performance CX System

Zum einen sind die Integrationsansätze bei den Fahrradherstellern zu beobachten. Diese versuchen durch ein entsprechendes Rahmendesign Antriebseinheit und Akku formschön in eine optische Gesamtharmonie zu bringen. Bei Cube und Haibike beispielsweise wird das Unterrohr den Außenmaßen des Akkupack angepasst, hierbei gehen die Konturen des Akkugehäuses mit denen des Unterrohrs am Fahrradrahmen in einer Flucht ineinander über. Die jüngste Motorengeneration des Bosch Performance Mittelmotors wird mittels individueller Cover in das Rahmendesign eingegliedert.

Flyer Uproc 7
Hersteller wie Flyer haben die Möglichkeit Antriebssystem und Rahmendesign aus einer Hand zu fertigen und können somit die Integration ganz nach ihren Bedürfnissen anpassen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist das Uproc7 Allmountainpedelec.

Andere Hersteller wie Rotwild und Bulls haben gezeigt, wie in enger Absprache mit dem Antriebshersteller Brose der visuelle Einklang aus Antrieb, Akku und Rad aussehen kann. Hier sind Akku und Motor komplett in den Rahmen eingelassen, darüber hinaus ist der Motor aufgrund der Konstruktion akustisch deutlich weniger auszumachen. Also auch hier der Ansatz klassisches Bike und Pedelec vom äußeren Eindruck her eins werden zu lassen.


Rotwild R.Q1  FS 27.5

Evation Trelagereinheit 

Zuletzt fiel uns zu diesem Thema das Unternehmen Fazua aus München auf. Diese arbeiten bereits seit einigen Jahren an dem Evation Antriebssystem.
Der Grundgedanke hierbei besteht darin, ein komplettes Pedelecsystem unsichtbar in das Fahrrad zu verbauen. So ist der Akku samt Motor und Planetengetriebe Paket von unten in das Unterrohr eingelassen. Die leichte Motor- und Getriebeeinheit, mit einem Gewicht um die 1kg, befindet sich direkt hinter dem Akku und kann zusammen bei Bedarf einfach ausgeklickt werden. Damit ist ein Betrieb des Fahrrad ohne Antrieb im klassischen Sinn jederzeit möglich. Ausgestattet mit einer zeitgemäßen ISIS (Vielzahn) Welle ist die Tretlagereinheit zeitgemäß ausgestattet. Mit einer Spannung von 36 Volt bei Gesetzeskonformen 250Watt bringt der Motor nach Herstellerangaben bis zu 55Nm Drehmoment.
Dazu soll der gesamte Antrieb nahezu lautlos und unabhängig der Motorunterstützung frei von Widerständen beim Pedalieren sein. Insgesamt soll das ganze System nur um die 3kg auf die Waage bringen. Hier wird es spannend weiter zu beobachten, ob dieses junge deutsche Unternehmen in dem immer härter umkämpften Markt Fuß fassen kann. Für 2017 werden die ersten Bikes mit diesem Antrieb erwartet.

Foto: IMS Gear - Evation Akku (250Wh) mit angeschlossener Moto- /Getriebereinheit

Foto: IMS Gear - Motor mit Planetengetriebe 
Foto: IMS Gear - ...und als Schnittmodell

Foto: IMS Gear - Urbanes Bike mit Einblick 



Weitere Links zum Thema:
- Fazua / Evation Antrieb Patent
- IMS Gear Pressemeldung

Kommentare:

  1. Warum wird der VIVAX Antrieb nie erwähnt Ich habe ein solches Bike seit Jahren und bin sehr zufrieden. Es wiegt mit Motor und Akku nur 14 kg.
    Klaus Ziedrich

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  2. Der Vivax ist ohne Frage ein guter Nachrüstantrieb. Leider ist der Einbau mittlerweile sehr eingeschränkt, da ein bestimmtes Sitzrohrmaß,ein durchgänig gerades Sitzrohr, ein das Tretlagergehäuse mittig treffendes Sitzrohr sowie ein gewisser Winkel notwendig sind.

    Bei Fullies mittlerweile sehr schwierig einen geeigneten Rahmen zu finden

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  3. Noch was: Vivax ist wirklich ein hervorragendes Produkt, allerdings in einem Punkt komplett anders: Fahre ich einen Trail bergauf und muß z.B. an einer Steilstufe/Wurzel kurz die Pedale waagerecht stellen um nicht mit der Kurbel "aufzuhocken", dann "würge" ich zwangsläufig den Antrieb ab. Beim darauffolgenden Weiterpedalieren steht mir dann im Gegensatz zu Bosch/Yamaha etc. zunächst keine Unterstützung zur Verfügung, selbst wenn ich die Taste am Lenker sofort drücke. Im Zweifelsfall heißt es dann absteigen und schieben, wenn das Gelände zu steil ist. Mit einem sensorgesteuerten E-Antrieb setzt im Idealfall die Unterstützung nahezu sofort wieder voll ein und ich kann trotz kurzer Aussetzung des Schwungs nach dem Überrollen z.B. der 1. großen Wurzel weitertreten, vor der 2. Pedale wieder geradestellen usw., wo ich mit Vivax oder gar nur mit Muskelkraft scheitere (da hilft dann nur ein wesentlich kleinerer Gang und seeehr viel Fahrtechnik und Gefühl).
    Vivax ist meiner Erfahrung nach ideal für ein Hardtail (auch Fatbike) und eher gleichmäßige Fahrweise/nicht so kniffliges Gelände).
    Zweifelslos super integriert von der Optik, nur Insider "erkennen" den Antrieb!

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  4. So innovativ und genial das vivax ASSIST Antriebsystem auch ist, wegen dem hohen Preis (zumindest für meinen Geschmack) ist es meiner Meinung nach nur für sehr hochwertige Fahrräder geeignet bzw. lohnenswert. Denn für die rund 2.700 Euro die das vivax ASSIST Antriebsystem ohne Einbau alleine kostet, bekomme ich heute schon ein richtig gutes komplettes E-Bike wo dann alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind und wo auch zumindest der Akku eine gewisse Integration in den Rahmen erfahren hat. Mein aktuelles Lieblings-Bike beim Thema „Integration“ ist das BULLS Sturmvogel E EVO.

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  5. Die Integration ist ja optisch nicht schlecht, den Akku muss ich jedoch trotzdem herausnehmen können.
    1. wegen der Lademöglichkeit, nicht immer habe ich die Möglichkeit das Bike zu einer Stromquellen zu bringen (Urlaub, Berghütten usw.)
    2. die derzeitigen E-Bike tauglichen Biketräger fürs Auto. Die Halteklemmen haben eine maximale Weite von 80mm, das hat heute schon fast ein Carbon-Enduro, vom Unterrohr mit Akku mal ganz abgesehen. Und, nein ich kaufe mir nicht schon wieder einen neuen Radträger um 600€ meiner ist erst 2 Jahr alt. Hier sind die Hersteller gefragt zumindest Austauschklemmen anzubieten. Sonst ist das Thema Integration maximal für Flüchtlinge interessant und nicht für mich als verreisenden E-MTBler der sein Bike ja auch zum Berg bringen muss und damit 3-4 mal im Jahr einen Bikeurlaub macht.
    Radträger wären in diesem Sinne ein interessantes Testthema, denn mit 2 Bikes muss man eines meist am Unterrohr klemmen und die werden generell breiter, nicht nur bei den integrierten Akkus. Aus optischen Gründen auch bei den meisten anderen Bikes.

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