Dienstag, 23. Februar 2016

Erster Eindruck - Unterwegs mit dem KTM MACINA KAPOHO 27.5+ 11 CX5

Das Macina Kapoho der österreichischen Traditions-Bikeschmiede KTM ist eines der jüngsten Modelle aus der großen eBike Produktsparte. Es ist im klassischen Allmountain Bikebereich angesiedelt und verfügt neben einem vollgefederten Fahrwerk ergänzend über stark im Trend liegende Semi-Fat Bereifung in 3 Zoll Breite. In den letzten beiden Wochen haben wir einige hundert Kilometer und einige tausend Höhenmeter mit diesem Bike zurückgelegt - Zeit also für einen Bericht mit den Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz.

Hauptaugenmerk des KTM Macina Kapoho 27,5+ ist die Semi-Fat Bereifung, dieses kombiniert mit einem RockShox Fahrwerk und einem potenten Mittelmotorantrieb in Form des neuen Bosch Performance CX und fertig ist ein durchaus sehens- und fahrenswertes Allmountain Pedelec Bike. Über die Fahreigenschaften speziell zu den Semi-Fat Reifen berichteten wir bereits in den letzen Wochen ausführlich. Wie sich das Bike nun schlägt und welche Eindrücke es hinterlässt schlüsseln wir in diesem Artikel auf.


Rahmen:
Die Rahmengeometrie ist trotz der klassischen Oberrohrlänge von 590mm in Rahmengröße M (19") als eher kompakt anzusehen. Dadurch ergibt sich eine, auf diese Bikeklasse bezogene, eher aufrechte Sitzposition. Diese bringt in Kombination mit dem kompakten Rahmen eine gute Balance auf dem Bike, das Gewicht lässt sich trotz fehlender Vario-Sattelstütze recht gut auf dem Bike verschieben womit ein sicheres Handling in vielerlei Fahrsituationen gegeben ist.
Der recht steile Lenkwinkel von 69° wirkt gegen die generell etwas träge auf Steuerbefehle reagierende Semi-Fat Bereifung - hier führen die Eigenschaften aus Semi-Fat und steilem Steuerrohrwinkel zu einem agilen und doch sicher laufenden Bike bei höheren Geschwindigkeiten.
Schade, dass ein Nachrüsten einer Vario-Sattelstütze mit interner Leitung nur schwer zu ermöglichen ist - das Sitzrohr hat weder eine seitliche Öffnung, noch eine unten in Richtung Motoraufnahme um eine Leitung durch den Rahmen zu führen.
Optisch kommt das Kapoho in der "11 CX5" Ausstattungsvariante im Grundton Weiß daher - gespickt mit den klassischen KTM Orange an Schriftzügen, Sitzstrebe und unterer Motorverschalung. Durch dieses helle und auffällige Design wird das Bike zum Blickfang.
Für die Individualisten, die gerne mal mit anderen Komponenten experimentieren sei zu erwähnen, dass die Hinterbaubreite an der schmalsten stelle etwa 90mm beträgt. Massig Platz also für noch etwas breitere Reifen - hier spielen auch die Serien MuleFüt Felgen mit einer inneren Breite von 45mm sehr gut mit.



Fahrwerk:
Das Fahrwerk, unter anderem bestehend aus der RockShox Yari RC SoloAir Federgabel und einem Monarch RL C2 Dämpfer vom selben Hersteller, fühlt sich mit 125mm Federweg im Heck und 130mm in der Front gut an. In Kombination mit den voluminösen und mit niedrigem Luftdruck um die 1,0bar gefahrenen Reifen werden zum einen viele feine Unebenheiten eben gemacht, zum anderen haben die Federelemente im Grenzbereich eine deutliche Endprogression.

Getragen werden die 3 Zoll Nobby Nic Reifen von Sunringle MuleFüt Felgen mit einer Maulweite von 45mm. Das ganze in Kombination mit Naben nach dem neuen Boost Standard. Hier vergrößert sich die Breite der Nabe vorne auf 110mm (+10mm) und hinten auf 148mm (+6mm). Soll in der Praxis eine steiferes Laufrad bringen und ermöglicht die Verwendung von breiten Reifen wie hier im Einsatz. Was das Argument um die steiferen Laufräder angeht, so neutralisiert sich dies in Kombination mit den weichen Semi-Fat Reifen - hier bringt Boost wohl eher ein Vorteil für klassische große 29er Laufräder.


Reifen:
Beim Einsatz im Gelände wird deutlich, welchen Vorteil Semi-Fat mit sich bringt. So erzeugen diese Reifen eine deutliche Bereicherung in den Punkten Fahrkomfort und Sicherheit. Durch die höhere Auflagefläche des Reifens auf dem Untergrund ergibt sich zumeist eine höhere Traktion. Gefährliche, anspruchsvolle Geländeeigenschaften wie ausgewaschene Rinnsal in Fahrtrichtung können bis zu einer bestimmten Tiefe bedenkenlos angefahren und durchfahren werden. Hier wirken die breiten Reifen fehlerverzeihend auf kleine Fahrfehler. Gleichzeitig vermisst wird eine gewisse Präzision beim Steuern durch das Gelände, dies macht sich in der Praxis beispielsweise beim schnellen Durchqueren von Geröll- oder Steinfeldern bemerkbar. Beim schnellen anvisieren einer Linie durch das Feld, ist die Umsetzung mit der breiten und trägen Bereifung nicht so präzise möglich. Teilweise verlassen die Reifen auch einfach die angedachte Linie. Hat im Endeffekt keine ernsthaften Konsequenzen, ist jedoch in Bezug auf die sportliche Herausforderung hier und da etwas irritierend. Ein Umstand, der sich jetzt nicht explizit auf dieses Bike bezieht, sondern eher als eine Art Charakteristik von B+ Reifen anzusehen ist.


Bremsen:
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der B+ Bereifung mit hoher Traktion sind die Bremsen. Denn wenn schon viel Grip auf dem Untergrund erzeugt wird, so braucht es eine Bremsanalage, welche diese in Verzögerung umsetzten kann. Die am Macina Kapoho "11 CX5" befindlichen Shimano Deore Bremse mit 180er Scheiben hat Potenzial, könnte bei sportlicher Fahrweise jedoch mehr Biss haben. Bezogen auf die Praxis bedeutet dies, dass beispielsweise die Bremse vorne kaum in der Lage ist das Vorderrad zu blockieren. Bei schneller Fahrt auf einem festen Waldweg kann die Bremse voll gezogen werden, diese verzögert dann deutlich aber eben nicht bis zum Limit. Bedeutet für den ungeübten Biker eine gewisse Sicherheit, sportlich aktive werden hier Leistung vermissen.
Die hintere Bremse - hin und wieder kann es sein, dass man über ein ganz kurz blockierendes Hinterrad Richtungskorrekturen in verwinkelten Abfahrten vornimmt. Durch den großen Grip der breiten Reifen packt die Bremse es aber nicht immer auf festem Untergrund das Rad kurz zu blockieren. Hier fehlt es ebenso etwas an Bremskraft. Dennoch bieten die Shimano Deore Bremsen soviel Stärke, dass auch aus hohen Geschwindigkeiten immer zuverlässig Geschwindigkeit reduziert werden kann.

Antrieb:
Ein Pedelec Bike wäre nicht ein Pedelec wenn es nicht einen elektrischen Hilfsmotor hätte. Hier kommt beim Kapoho Schwabenpower in Form des neuen Bosch Performance CX Antrieb zum Einsatz. Es ist immer wieder beeindruckend mit welchen Fahreigenschaften dieser Mittelmotor daher kommt. Da wären zum einen das unglaublich große Drehmoment in nahe zu jedem relevanten Trittfrequenzbereich. Zum anderen solche Details wie das Anfahren im steilen Gelände. In der 20% Steigung anhalten, ein Fuß auf das Pedal - Kraft auf das Pedal ausüben und dosiert anfahren. Es ist kaum ein Gegenbremsen notwendig, nach etwa einer halben Kurbelumdrehung steht dann die volle Leistung zur Verfügung und es geht brachial voran. Die Motorsoftware ist hier richtig gut abgestimmt.
Der Energieverbrauch auf unserer Fahrt über den Kaiserstuhl war auffällig hoch. Entgegen der Serie, hier mit 500Wh Akkupack, sind wir mit einem 400Wh Akku auf dieser Strecke unterwegs gewesen. Nach 32km verblieb ein Ladebalken auf der Anzeige. Woran dies genau liegt müssen wir Laufe der Saison noch in Erfahrung bringen, ein Bosch Perfromance CX Mittelmotor in Kombination mit 500Wh Akkupack macht auf jeden Fall Sinn.

Übersetzung: 
Ebenfalls ein Punkt den wir nicht unerwähnt lassen wollen, denn mit der Verwendung Shimanos neuer 11fach XT Schaltung wurde hier eine große Übersetzungsbandbreite geschaffen. Die Schaltung arbeitet hierbei präzise und unauffällig zuverlässig, wie bisher von früheren XT Schaltungen gewohnt. Warum man bei KTM die 11fach Kassette mit einem 16er Blatt auf der Tretkrubelwelle kombiniert, ist nicht nachvollziehbar. In den letzten Jahren hatte sich das 15er Blatt beim Bosch Antrieb, vor allem im Einsatz als eMountainbike bewährt.
Steile Steigungen lassen sich allerdings auch in der Kombination wie 16er Blatt auf 11fach Kassette je nach Unterstützungsstufe zuverlässig befahren.

Fazit: Alles in allem bereitet das KTM Macina Kapoho sehr viel Spaß, dem Einsatzzweck als komfortables Allmountain Pedelec Bike wird es absolut gerecht. Durch die breiten Reifen ergibt sich gegenüber den Schmalspur-Modellen ein deutlicher Zugewinn in Fahrkomfort und Sicherheit da diese viele feine Unebenheiten ausgleichen und sich dem Gelände anschmiegen. Der neue Bosch Performance CX Mittelmotor spielt in einer eigenen Liga und ist eine perfekte Kombination aus Leistung und natürlichem Fahrgefühl. Leichte Schwächen bestehen bei der Bremsanlage, der fehlenden Vario-Sattelstütze und dem 16er Blatt auf der Kurbel.



Video: Unterwegs auf dem KTM Macina Kapoho 27,5+ - Fahrspaß unter extremen Bedingungen





Ausstattung MACINA KAPOHO 27.5+ 11 CX5
Gabel: RockShox Yari RC, 27.5plus-130-SA-T-15x110
Dämpfer: RockShox Monarch RL C2, 125mm
Schaltung: Shimano XT M8000 GS shadow plus
Kassette: Shimano Deore XT M8000-11, 11-42 Z
Schalthebel: Shimano Deore XT M8000-11
Bremsen: Shimano Deore M615 Scheibenbremsen, Bremsscheiben: Shimano RT66, 6-Loch, 180mm vorne und hinten
Motor: Bosch Performanceline CX,
Display: Bosch Intuvia Display mit Lenkerbedienelement
Akku: Bosch PowerPack500
Kurbel: KTM Team Miranda Delta ISIS, 16 Z
Lenker: Ritchey WCS Trail Rizer, 760
Felgen: Hayes MuleFüt 50
Reifen: Schwalbe Nobby Nic 75x584, TL-easy
Gewicht: 22,1kg (mit Pedale)
Preis: 4299€


Weitere Links zum Thema:
- KTM MACINA KAPOHO 27.5+ 11 CX5 - Fotostrecke
- Was kann Semi-Fat (B+)? - Erfahrungen mit dem Nobby Nic 3,0"

1 Kommentar: