Dienstag, 29. September 2015

Gebrauchte eBikes - die Checkliste für Käufer

Da aktuell, aufgrund des Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, die beste Zeit für den Kauf eines gebrauchten eMTB ist wollen wir an dieser Stelle eine kleine Checkliste veröffentlichen.
Diese beinhaltet allgemeine Kriterien beim Kauf eines gebrauchten eMountainbikes, sowie einigen speziell auf das eBike zu berücksichtigende Kriterien.




Zunächst stellt sich die Frage, wo man ein Bike am besten gebraucht erwirbt.
Hier bieten sich in erster Linie Angebote auf Online Plattformen an. Da das erstellen eines Inserats dort meist umsonst ist tummeln sich viele Angebote und es bietet sich die Möglichkeit zum Preisvergleich.
Aufgrund der Tatsache, dass man sich ein gebrauchtes Bike unbedingt vor dem Kauf anschauen und probefahren sollte, empfiehlt es sich also nur Angebote in die engere Auswahl zu nehmen, welche auch ohne größeren Aufwand persönlich erreichbar sind.
Daher lohnt mitunter auch ein Blick in lokale Anzeigenblätter.

Hat man einige Modelle in der engeren Auswahl, gilt es zunächst vergleichbare Bikes zum Neupreis ausfindig zu machen. Gebrauchte eMountainbikes liegen, verglichen mit ihren motorlosen Genossen, deutlich besser im Kurs. Unserer Einschätzung nach bekommt man ein gebrauchtes eMTB etwa 30% unter dem UVP, je nach Zustand, Hersteller, Modell und Modifikationen kann dieser Wert natürlich etwas pendeln - zur groben Orientierung kann man sich aber daran ausrichten.

Die erste Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer kann in Zeiten der nonverbalen Kommunikation per eMail statt finden. Hier empfiehlt sich dann schnellst möglich ein Treffen zur Besichtigung zu arrangieren, evtl. elementar wichtige noch ausstehende Fragen am besten noch vor dem Treffen zu klären.
Des Weiteren lassen sich per eMail weitere wichtige Kriterien, welche Rückschluss auf die Nutzung und Pflege des Bikes geben können, in Erfahrung bringen.
So ist es immer interessant zu wissen, was für ein Typ der Verkäufer ist.
Alter, sozialer Status, Fahrgewohnheiten, Wohnort und technische Kenntnisse der Verkäufers lassen Rückschlüsse auf den Zustand des Bikes ergründen.

Fallbeispiel 1:
Mann, 65 Jahre aus dem Stadtteil Blankenese in Hamburg verkauft ein hochwertiges vollfedertes eMTB mit einer mittleren Laufleistung aus Altersgründen.
Aufgrund der Tatsache, dass ein 65 Jahre alter Mann ein hochwertiges Bike aus Altersgründen verkauft ist schon einmal gut, da von einer Nutzung im Gelände nicht ausgegangen werden kann. Wahrscheinlich war die vollgefederte Version nur wegen der weichen Strassenlage in Nutzung. Da es in Hamburg so gut wie keine Berge gibt, dürfte die Nutzung daher hauptsächlich in der Ebene statt gefunden haben - also wenig mechanische Abnutzung durch Fahrten im groben Gelände.
Entsprechend dieser Eigenschaften dürfte das Bike in einem sehr guten Zustand sein.

Fallbeispiel 2:
Mann, 35 Jahre, wohnhaft in Stuttgart verkauft ein vollgefedertes eMTB welches bereits durch mehr Federweg modifiziert wurde. Die Laufleistung ist eher durchschnittlich, die original Reifen wurden bereits durch potentere Gummis ersetzt.
Hier ist davon auszugehen, dass das Bike bedingt durch die Region viel bergauf / bergab eingesetzt wurde. Zudem wurde es dem Anschein nach viel im groben Gelände bewegt, daher auch die Notwendigkeit von mehr Federweg. Entsprechenden Kräften muss das Bike während der Nutzung ausgesetzt gewesen sein - Rückschlüsse auf erhöhten mechanischen Verschleiß von Lagern und Federelementen gelten als wahrscheinlich.

Aufgrund dieser beiden Beispiele sollte deutlich werden welche Rolle des Verkäufers auf den Zustand des Bikes haben kann. Daher dem Verkäufer gezielt Fragen stellen und gut zuhören, wie diese beantwortet werden.

Vor Ort im persönlichen Gespräch lässt sich diese Art von Interview natürlich am besten führen, da direkt auf Antworten eingegangen werden kann.

Weiteres wichtiges Kriterium bei der Besichtigung vor Ort ist natürlich der Zustand des Bikes.
Oberflächlich betrachtet gilt zunächst die Beurteilung der Optik - ist das Bike ordentlich geputzt?
Vor allem in den versteckten filigranen Bereichen wie dem Schaltwerk lässt sich schnell entschlüsseln wie sehr ein Bike gepflegt wurde. Ein Blick auf die Seitenfläche der Schaltwerkrollen reicht meist um zu sehen ob dort der Dreck bereits festgebacken ist oder nicht. Weitere zu beurteilende Punkte ist der Zwischenraum am Motorkettenblatt sowie die Unterseite des Motors, die Unterseite der Gabel und des Sattels.

Dann geht nichts über eine Probefahrt. Hier gilt es in erster Linie festzustellen, ob man sich in der Sitzposition wohl auf dem Bike fühlt. Dabei am besten ein paar km fahren gehen. Während der Ausfahrt gilt es auf die Ohren zu hören. Knarzt oder knackt irgend etwas am Bike und wie verhält sich das Fahrwerk beim einfedern?
Läuft die Kette sauber über alle Ritzel, funktionieren die Schaltvorgänge auch unter Last zuverlässig?
Rutscht die Kette auf dem letzten Kettenblatt unter Volllast durch - vor allem bei eBikes vorkommend ein Zeichen von Verschleiß.

Die Federgabel und Dämpfer auf einen bestimmten Wert pumpen, fahren und danach sehen ob die Luftdruckwerte stabil geblieben sind. Die Einstellmöglichkeiten von Zug- und / oder Druckstufe ausprobieren. Ist hier etwas undicht oder blockiert, kann eine Reparatur oder gar Austausch schnell teuer werden. Die Lager des Hinterbaus kontrolliert man auf die Schnelle in der Form, dass man diese durch Anheben des Bikes entlastet und dann wieder leicht aufsetzt. Dann den Hauptrahmen gegen den Hinterbau verwinden. Klackert oder gar biegt sich hier etwas muss dies mit dem Verkäufer geklärt werden.


Bei den Bremsen gilt es auf die allgemeine Funktion sowie den Druckpunkt zu achten. Kann der Bremshebel bis zum Griff durchgezogen werden, ist etwas nicht in Ordnung - Verschleiß oder Undichtigkeit können möglich sein. Ein Blick in den Bremssattel und auf die Bremsscheibe zeigt uns wie es um die Beläge steht.

Bei einem eBike lässt sich je nach Hersteller ein Protokoll über Akku und Antrieb des Systems ausdrucken. Anhand dieser Daten lässt sich feststellen, wie es etwa um den Akku steht.
Gibt es Fehlermeldungen während der Probefahrt, Unterstützt der Motor kontinuierlich, Wie ist das Ansprechverhalten des elektrischen Antriebs, quitscht - knackt oder rasselt etwas beim Motor?
Kontinuierliche und gleichmäßige Laufgeräusche hingegen sind meist normal. Im inneren des Antriebs befinden sich Zahnräder, diese produzieren die Laufgeräusche.


Garantie und Sachmängelhaftung ist ein schwieriges Thema. Bei manchen Herstellern besteht die Garantieleistung nur gegenüber dem Erstbesitzer. Daher gilt es dies mit dem Verkäufer und ggf. dem Händler vor Ort im Vorfeld abzuklären, was im Fall der Fälle zu tun wäre. Zur Mängelhaftung bleibt zu sagen, dass es hier klare Regelungen für Privatverkäufer gibt welche hier im BGB §433 und BGB §422 nachzulesen sind.


Checkliste:
- Vorab in Frage kommende Modelle eingrenzen.
- Preisvergleich zum Neupreis.
- Verkäufer beurteilen
- Termin für Besichtigung vor Ort ausmachen
- Verkäufer Interview
- Bike optisch inspizieren
- Bike probefahren - fühlen und hören.
- Halten die Federgabel und Dämpfer den Luftdruck
- Funktionieren die Einstellmöglichkeiten an Gabel und Dämpfer
- Haben die Gelenke des Hinterbaus Spiel
- Ziehen die Bremsen und stimmt der Bremspunkt
- Protokoll über das eBike System vorhanden
- Wie sind die Motorgeräusche während der Fahrt
- Bike beurteilen
- Garantie und Sachmängelhaftung mit Verkäufer und ggf. Händler abklären.
- Bauchgefühl mit entscheiden lassen




Genau genommen ist ein Mountainbike ein Stück Mechanik, welches bei regelgerechter Nutzung im Gelände mehr oder weniger großer Abnutzung unterliegt. Wirklich in das Bike "rein sehen" kann man nicht und so kann es passieren, dass sich im Nachhinein hier und da Probleme zeigen. Dennoch sind gebrauchte Bikes durchaus interessant, da preislich deutlich erschwinglicher als ein neues Modell. Zudem ist der Wertverlust beim Weiterverkauf wahrscheinlich geringer als bei einem Neubike.
Ferner lässt sich nahezu jede Komponente am Bike ersetzten - sollte sich nach dem Kauf zeigen, dass hier und da doch etwas verbraucht ist ist der Austausch meist kein Problem.

Mit dieser Checkliste sollte ein Stück Sicherheit beim Kauf eines gebrauchten eBikes gewonnen werden können. Hilfreich ist es sicherlich auch mehrere gebrauchte Bikes zu sichten und zu vergleichen und wie immer gilt "vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei". Daher wenn möglich eine zweite Person bei Besichtigung und Kauf mitnehmen.




Kommentare:

  1. Zumindest bei Bosch Bikes lässt sich anhand des Diagnose Protokolls einiges herauslesen. Die Kilometer durch die Zyklen teilen, dann sehe ich schon wie das Rad genutzt wurde, ob viel in Turbo gefahren wurde etc.
    Beim gebrauchten Rad den Akku voll laden, dann Reichweite Zurücksetzten. Eine neuwertigen Akku in das Bike rein, wieder Reichweite zurücksetzen. Anhand der Werte kann ich gut vergleichen, welche Leistungsfähigkeit der gebrauchte Akku noch hat.

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  2. Ich finde deine Checkliste echt spitze. Das ist genau das richtige für den Laien der sich ein gebrauchtes E-Bike kaufen möchte. Sehr hilfreich.

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