Dienstag, 5. Mai 2015

Rock Shox Pike Federgabel und die Erfahrungen am eMTB

Die aktuelle RockShox Pike Federgabel ist im Moment an zwei unserer Dauertestbikes verbaut. Zum einen in der 140mm Version im Cube Stereo Hybrid 140 Race sowie die 160mm Version im Flyer Uproc6. Bereits von Beginn an unseres Einsatzes des Cube Dauertesters war ich intensiv mit dem Setup der Pike Gabel beschäftigt. Galt doch in diesem Zusammenhang die Fox 34 Float aus dem Modell 2014 als Referenz.

Nun also ein Artikel mit unseren Erfahrungen mit der Pike Federgabel...


Wie bereits im Artikel "Dauertest: Cube Stereo Hybrid 140 Race 27,5 - 500km (1)" zu lesen war, wurde ich lange Zeit mit der viel gelobten RockShiox Pike Federgbabel nicht richtig warm. Die Kennlinie war mir insgesamt einfach zu hart, besonders im ersten drittel des Federwegs.
Nun gibt es ja viele Möglichkeiten eine Gabel abzustimmen, bei der Pike Gabel geschieht dies primär über den Luftdruck in der Gabel, sogenannte Token zur Volumenreduktion in der Luftkammer sowie im Detail über die Zug- und Druckstufenregelung.

Die eingepresste Luft in der Gabel bestimmt im wesentlichen die härte der Gabel. Hierbei richtet man sich zunächst einmal nach dem Negativfederweg (SAG). Dieser sollte in etwa 20% des gesamten Federwegs der Gabel ausmachen. Der SAG wird über den Gummiring auf einem der Standrohre abgelesen. In der Praxis sieht dies also so aus, dass man sich im Stand auf das Bike setzt und dabei anschließend misst wie weit der Ring am Standrohr über der unteren Kante steht. Unter dieser Einstellung sollte die Gabel im wesentlich ihre Funktion unter vielerlei Bedingungen erfüllen.

Über die Token (Spacer zur Volumenreduzierung in der Luftkammer) lässt sich die Gabel zusätzlich härter machen. Dies soll laut Hersteller verhindern, dass die Gabel im extrem Fall durchschlägt. Hier können bis zu drei Token in der Variante mit 140mm und 160mm verbaut werden. Dies bringt aber auch den Nachteil mit sich, dass die Gabel im Verlauf des Federwegs deutlich härter wird.

Über die Zugstufe letztendlich bestimmt man die Geschwindigkeit, mit welcher die Gabel nach dem Eintauchen wieder ausfährt. Dies ist wichtig, damit die Gabel nicht mit voller Wucht wieder ausfährt und so den vorderen Bereich des Bikes unter Umständen unkontrollierbar macht. Über die Druckstufe lässt sich das Eintauchen im Tempo regeln, bis hin zur völlig starren Gabel.

Da ich mit dem Setup der Gabel lange Zeit nicht richtig zufrieden war, war die RockShox Pike mit ihren Eigenschaften auch immer wieder Thema in der Redaktion. Dabei haben wir viele Setups ausprobiert und sind dabei immer wieder auf unserem Haustrail unter identischen Geländebedingungen gefahren um so die Feinheiten zu erfahren. Auch Leser Alex G. meldete sich bei uns zu diesem Thema, da auch er viele Einstellungen an der Pike ausprobiert hat und so auch seine Erfahrungen mit einfließen lassen konnte.

Letztendlich fahren wir nach langem hin und her alle Pike Modelle komplett ohne Token. Der Luftdruck der Gabel wird hierbei nicht an den SAG angepasst, sondern an das Gelände. Dies bedeutet, dass die Gabel soviel Luftdruck bekommt, dass diese auch bei Landungen aus etwa 50cm Höhe nicht durchschlägt. Schaut man sich nun den SAG dazu an, können wir diesen bei etwa 15% einordnen. Durch das große Volumen ohne Token bleibt die Gabel damit im ersten und zweiten drittel relativ sensibel. Vor allem in Kombination mit einer Tubeless Bereifung ergibt sich so ein gutes Gefühl auf der Vorderachse.

Solltet ihr auch eine Pike Gabel nutzen, so empfehlen wir dringend mal unterschiedliche Setups auszuprobieren. Das ganze ist mit relativ wenig Aufwand umsetzbar. Wie genau es funktioniert haben wir hier in einer kurzen Bildbeschreibung visuell festgehalten:

 Bevor irgendetwas an der Gabel geschraubt wird den Druck komplett ablassen. 
Zum aufpumpen der Gabel wird übrigens eine spezielle Hochdruckpumpe benötigt - nicht dass hier jemand auf die Idee kommt die Luftpumpe nutzen zu wollen ;-)

 Mit einer 24er Nuss die Mutter mit dem Ventil darin aus der Gabelbrücke schrauben.
Läuft am Anfang etwas zäh, da sich noch eine Dichtung auf dem Feingewinde befindet.

 Schraubteil abnehmen, aufpassen dass kein Unrat hinein fällt.

 Nun die Token handfest in die Verschlussmutter schrauben, je nach belieben und Modell...
 ... können in unserem Fall bis zu drei Stück ineinander geschraubt werden.

 Dann wieder fest schrauben, zunächst von Hand. Gegen Ende mit 28Nm zu ziehen.

Gabel wieder mit Luft befüllen und anschließend Verschlussstück für das Ventil nicht vergessen.


Fazit: Da ich die Pike Gabel von Grund auf als recht progressiv (hart) empfinde, machen Token für mich keinen Sinn. Zu schnell verhärtet die Gabel mit mehreren Token und damit geht viel Sensibilität beim Abtasten des Gelände verloren. Dann lieber mit etwas weniger SAG (15%) auf Kosten des Ansprechverhalten im ersten drittel des Federwegs starten - Tubeless gleicht hier vieles aus. Dafür dann im mittleren Bereich des Federwegs eine nicht zu harte Gabel welche das Vorderrad selbst über grobe Unebenheiten mit hoher Laufruhe gleiten lässt. Da das Gesamtsetup eh auf den Extremfall "Landung nach Sprüngen" abgestimmt ist, schlägt die Gabel dann in diesen Fällen so gut wie nie durch. So bin auch ich zwischenzeitlich mit der Pike glücklich und zufrieden.

Sowohl die 140mm Variante im Cube Stereo Hybrid 140 Race als so ich 160mm Version im Flyer Uproc6 werden von uns ohne Token gefahren.

Unsere Erfahrungen beruhen auf rein praktischen Versuchsfahrten. Jedoch achteten wir darauf, immer die gleiche Strecke zu fahren und dies unter konstanten Temperaturen sowie festem griffigen Untergrund. Auch der Reifendruck (1,8bar) wurde vor jeder Ausfahrt kontrolliert.

Die Enduro Pike mit 160mm im Flyer Uproc6

Allmountain Version mit 140mm im Cube Stereo Hybrid




Kommentare:

  1. Hallo Will Lee!

    Toller Test von einer tollen Gabel. Erwähnenswert wäre noch, dass es die Pike RCT3 als SoloAir und DualPosition gibt, wobei konstruktionsbedingt die Einstellung mit den Tokens nur bei der SoloAir vorhanden ist. Dafür ist die DualPosition absenkbar.

    LG, Lexx

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    1. ja - sicherlich ein wichtiger Hinweis!
      Wollte in den Artikel nicht zu viele Details einbauen, daher fand die DualPosition Variante keine Erwähnung.

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  2. Hallo Will Lee,

    ich finde es immer wieder erstaunlich, wie subjektiv das Empfinden ist. Ich fahre eine 160 Single Air mit einem Token. Die Gabel finde ich im Grundsetup überhaupt nicht progressiv,
    sondern vielmehr extrem linear. Wenn man eher "Fox"-Setups, mit extrem viel Weg im mittleren
    Bereich gewohnt ist, mag einem das durchaus als sehr straff erscheinen. Bei 20% Sag nutze ich den Federweg bei normalen Touren bis auf 1cm aus. Erst bei Drops wird diese Reserve auch noch genutzt.

    Gruß joerghag

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    1. Es wird die Tage ein neues Video erscheinen, welches Fahrszenen aus der Obnoard Perspektive zeigt. Vielleicht wird hier noch einmal deutlich wie die Pike (SingleAir) mit 140mm arbeitet.

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    2. Hallo Will Lee, guter Beitrag. Habe ein Uproc6 mit 160-er Pike. Bin ständig am Setup-testen und immer noch nicht zufrieden. Kannst Du mir einen Hinweis geben zur Einstellung des roten Knopfes unten an der Gabel. Habe immer voll auf "Hase"gestellt. Falsch?? Was rätst Du. Bin 80kg und fahre viel Singletrails in den Bergen. Vielen Dank und Gruss Roger (sorry, aus Unkenntis, wie man sich hier richtig meldet, musste ich "Anonym" eingeben)

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    3. Hallo Roger, das rote Rädchen ist für die Zugstufe und bestimmt die Geschwindigkeit wie schnell die Gabel wieder ausfedert. Stellung Hase bedeutet hier schnell. Dies kann je nach Einstellung dazu führen, dass das Vorderrad anfängt zu springen wenn es zu schnell wieder ausfährt. Dadurch kann eine sehr unruhige Fahrt entstehen.
      Probiere mal vier Klicks in die andere Richtung zu drehen und schau wie es sich anfühlt. Je nach Gelände und Fahrstil kannst hier auch während der Fahrt immer wieder mal verstellen und schauen wie es sich anfühlt. Also ruhig mal mit den Einstellungen experimentieren, kaputt geht da normalerweise nichts.

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