Samstag, 27. Dezember 2014

Haibike Xduro FatSix - Erster Eindruck

FatBikes sind seit einigen Jahren zunehmen im Trend, vor allem seit man diese Gattung Bike mit einem elektrisch unterstützenden Antrieb ausgestattet hat. So bringt nun eBike Pionier Haibike 2015 ein erstes Modell mit Bosch Performance Motor auf den Markt. Wir haben aktuell die Gelegenheit das FatSix ausführlich zu fahren und wollen euch in diesem Artikel unseren Eindruck schildern .

Viel Erwartungen hatte ich an ein FatBike eigentlich nicht. Um ehrlich zu sein, hielt ich das ganze für einen Trend ohne sinnvollen Einsatzzweck. Nach der ersten Ausfahrt und aktuell wirklich widrigen Bedingungen wurde ich aber schnell eines besseren belehrt und ich muss zugeben, dieses Mountainbike auf seinen 4" breiten "Schlappen" ist etwas speziell und macht richtig Spaß.

Dieses Bike fällt auf. Bereits bei unserem ersten Fotoshooting blieben zahlreiche Passanten stehen und fragten erstaunt nach, was es mit dieser Bereifung auf sich hat. Bei Aufnahmen mit anderen Rädern fällt den Menschen meist sofort auf, dass es es sich um ein eBike handelt. In diesem Fall jedoch war die Elektrifizierung eher immer meist die sekundäre Erkenntnis.

Nun was antwortet man den Passanten, wenn sie erstaunt wissen wollen warum dieses eMountainbike so große Reifen hat. Streng genommen gibt es FatBikes schon seit den späten 80iger Jahren, vor allem in den Vereinigten Staaten waren diese wesentlich häufiger zu sehen als in Europa.
Die Vorteile solcher dicken Reifen liegen in der Fortbewegung in unwegsamen Gelände wie etwa Schnee, Schlamm oder Sand. Zum anderen ist es aktuell natürlich ein Modetrend und ein Zweirad mit welchem man auf jeden Fall aufsehen erregt.

So gestaltet sich die Fahrt durch die Stadt auf dem Weg in den Wald bereits als spannendes Ereignis.
Hier geben die surrenden lauten Abrollgeräusche der Reifen klar zu verstehen, dass hier kein normales Bike fährt.























Als Antrieb setzt man bei Haibike in der Xduro Serie auf Schwabenpower, beim FatSix in Form des Bosch Performance Motors. Somit stehen dem Biker bei voller Unterstützung des Antriebs von 275% zur Eigenleistung zusätzlich bis zu 400Watt aus dem Motor zur Verfügung. Die Nominelle Leistung entspricht 250Watt, somit ist es im gesetzlichen Sinn ein Pedelec.
Wie wir bereits in der Vergangenheit immer wieder beschrieben hatten, ist der Bosch Motor ein zuverlässiger und kraftvoller Begleiter. In Kombination mit dem neuen Boardcomputer Nyon läßt sich die Motorunterstützung zudem individuell anpassen.







 

Die Fahreigenschaften des Haibike FatSix ist den umständen entsprechend recht ausgewogen. Der Steuerrohrwinkel (69°) wurde so gewählt, dass dieser im Kombination mit den trägen Bereifung eine gute Mischung aus Agilität und Laufruhe bietet. Natürlich kann man ein Bike mit einer solchen Bereifung nicht mit einem klassischen Hardtail vergleichen, das Bike tendiert zunächst immer nur dazu gerade aus zu fahren. Schnelle Richtungswechsel bedeuten viel Arbeit im Cockpit durch den aktiven körperlichen Einsatz.
Aus der Praxis heraus ergibt sich die Erfahrung, dass die Linienwahl mit diesen Reifen nicht ganz so wichtig ist. Das Bike geht recht entspannt durch dicke Schlammlöcher sowie über steinigen und verwurzelten Untergrund ohne dabei aus der Ruhe zu kommen. Schnelle Abfahrten auf  nassen schlammigen Waldwegen um die 50km/h fühlen sich satt und sicher an.
Durch den niedrigen Luftdruck in den Reifen von knapp 0,7bar schlucken diese viele feine Unebenheiten, vor allem auf Waldwegen Fahrkomfort pur. Grob gesehen kann man sagen, dass über die voluminösen Reifen etwa 40mm Federweg vorhanden sind.
Berauf neigt das Heck, bzw. der Hinterreifen etwas zum wippen.
Bei einem eMTB mit Motorunterstützung aber eher eine zu vernachlässigende Eigenschaft.

 

In der Front des Haibike FatSix wird der dicke Schwalbe "Jumbo Jim" Reifen von einer Rockshox Federgabel unterstützt. Diese hört in der einer speziellen FatBike Version auf den Namen Bluto und bietet so noch einmal 100mm Federweg. Ob es bei dieser Bereifung noch eine Federgabel braucht, bleibt dahin gestellt - schaden tut es sicherlich nicht. Im Zaun gehalten wird das knapp 23kg schwere Bike von je einer 180mm Shimano XT Bremsanlage an beiden Laufrädern. Reicht für den Einsatzzweck eines FatBike locker aus, starkes abbremsen aus knapp 50km/h machen die Bremsen zuverlässig mit. 

Das bei Haibike klassische 16 Zähne Kettenblatt - hier in der extra breiten Version um der Kettenlinie folgen zu können. In der Praxis zeigt sich hier, dass bei einem stark verschmutzen Kettenblatt die Kette nicht mehr sauber abrollt und so unter Umständen im zulaufenden Bereich der Kette verhakt.  

 

Für 4" Reifen braucht es auch spezielle Laufräder. Hier kommen die 26" großen Alexrims Blizzerk Pro zum Einsatz. Gewicht pro Felge etwa 850gr. Diese wurden in Zusammenarbeit mit dem traditionellen FatBike Hersteller Surly entworfen.
























 

An diesem Bike ist alles breiter. Hier gut zu sehen die Gabelbrücke der RockShox Bluto und dahinter im Hintergrund die extra breiten Kurbel. Dadurch ergibt sich bereits beim Aufsitzen eine gewisse Art von CowBoy Style. Man(n) könnte auch sagen, man sitz auf dem Bike wie CR7 vor dem Freistoß.
Das FatSix ist mit dem neuen Bosch Boardcomputer Nyon ausgestattet.

Die klassische Rahmenarchitektur der zweiten Xduro Generation findet auch im FatSix seine Anwendung. So haben wir das geknickte Oberrohr wie wir sie von vielen Xduro Modellen kennen sowie die am Sitzrohr ansetzenden Sitzstreben. Die farbliche Gestaltung ist eine schöne Kombination aus Tarnfarben und hell hervorstechenden Schriftzügen des Herstellers.

























Haibike FatSix - 4299,00€

Gabel: Rock Shox Bluto, PushLoc, Federung: Luft, Dämpfung: Öl, Federweg: 100mm, tapered
Schaltwerk: Shimano XT, RD-M786-GSL, ShadowPlus, 10-Speed
Schalthebel: Shimano XT SL-M780-I, Direct Attach
Bremsen: Shimano XT M785 Hydr. Disc Brake (180/180)
Ketteblatt: 16 Zähne
Kassette: Shimano CS-HG50, 11-36
Laufradsatz: Alexrims Blizzerk Pro, superlight
Reifen: Schwalbe Jumbo Jim, SnakeSkin, TL-Easy, 26x4,0, SV-Ventil
Motor: Bosch Mittelmotor Performance 36 Volt, 250 Wat
Akku: Bosch Power Pack 400Wh
Display: Bosch Nyon
Gewicht: 22,4kg
Rahmengrösse: 42, 46, 50

 ... nach der Arbeit.



























 

Fazit:
Braucht man so ein Bike? - Nein.
Will man solch ein Bike - Ja!
Gerade bei widrigen Bedingungen bestehend aus Schlamm, Nässe, Matsch und Schnee macht das FatSix richtig Spaß, da es einfach mal etwas anderes ist als mit dem klassischen Bike. Die voluminösen Reifen schwimmen beinahe auf Schlammlöchern und verhindern so ein tiefes einsinken. Wasser aus Pfützen wird im breiten Stil verdrängt, das fetzt. Aus diesen Gegebenheiten ergibt sich ein gewisser Spieltrieb, welcher darin besteht keine Herausforderung auszulassen. Auf weichen nassen lehmigen Böden lassen sich zudem einfach satte "Drifts" mit dem Heck hinlegen. Alles in allem wie bereits erwähnt eine Menge Spaß!
Darüber hinaus könnte ich mir auch vorstellen das Bike im urbanen Bereich einzusetzen. Mit einem Heckträger ausgestattet dient es auf dem Wochenmarkt sowie vor der Eisdiele sicherlich als gefälliger extrovertierter Packesel.

Die nächsten Tage folgen weitere Artikel zu diesem Bike.
Hieronymus hat zahlreiche Bilder von diesem Bike gemacht, welche wir euch in einer FatSix Bilderstrecke in einem eigenen Artikel vorstellen werden.

Zudem besteht für übermorgen eine aktuelle Unwetterwarnung bezogen auf Neuschneemengen um die 30cm. Was hier dann zum Einsatz kommen wir könnt ihr euch jetzt denken - wir werden berichten.

Kommentare:

  1. Sehr geiles Bike ... könnte man fast schwach werden.
    Und wie immer en klasse Bericht .. weiter so!

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    1. Das Bike ist wirklich ein Spassmobil. Leider hat es Schwaechen im Tiefschnee! Da wird der Antrieb vermutlich durch das Verschieben des Schaltauges blockiert. Eine Nachfrage bei Haibike ergab leider, dass es nicht auf Rohloff umzurüsten geht! Eine gravierende Schwäche. Denn wenn man dieses Bike richtig fahren möchte, dann ist der Winter kein Hindernis! Leider sind es solche baulichen Fehler, die einem Grenzen setzen und vielleicht die Verkaufspolitik der Firma. Man hat den Eindruck, dass die Entwickler das Fahrrad nicht fahren.

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  2. Toll, daß Ihr auch über den "normalen" Horizont hinausschaut, prima Bericht und tolle Fotos.
    Meine Meinung nach diversen Probefahrten auf dem Eurobike Demo-Day: Momentan bleibt ein Fatbike noch ein typisches Dritt-Rad, zumal ohne "E". Richtig interessant wird's, sobald's ein Fat-E-Fully gibt, dann verlieren (nasse) Trails, gespickt mit Wurzeln oder derben Steinen ihren Schrecken, auch bergauf und wie die Bilder zeigen auch im Schnee! Von Bulls gibts leider bisher nur nen Prototyp, also muß ich noch bei meinem Cube-E-Fully bleiben :-) Leider is da bei 2,4 " Schluss ;-)

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  3. Von der Kettenlinie her sollte auch beim Bosch-Motor ein zweites Kettenblatt vorn möglich sein, dann wäre fast kein Trail zu steil *träum*

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  4. Ich war vor kurzem mit nem normalen Fatty im Wald. Singletrail, nicht erlaubt, natürlich und wurde vom Förster erwischt. Normalerweiße Drama... Diesmal nicht.

    ER SAGTE: ENDLICH MAL JEMAND DER MITDENKT UND KEINEN BODEN VERDICHTET.

    Nach nem kleinen Plausch bin ich dann weitergefahren...

    Geiles Teil :-)

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  5. Fehlen nur die Schutzbleche

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  6. Super Bericht "besten Dank! Mich würde noch interessieren, welche Rahmengröße bei welcher Körpergröße gefahren wurde? Oder hat schon jemand hier schon jemand zufällig eins in M ?

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    1. Ich bin das 46er (Oberrohrlänge 590mm) bei 1,80m Körpergröße gefahren - passt gut.
      Die Auslieferung der ersten Serienbikes ist nach meinem aktuellen Kenntnisstand im Mai 2015.

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  7. hallo Leute ich würde mir auf das Bike gern eine Schwalbe 4,8" montieren ist das Möglich

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