Montag, 8. September 2014

MTB vs. eMTB. Ein Sport im Umbruch.


Wie sollen wir damit umgehen?

Eines ist gewiss: Die Mountainbike-Welt befindet sich im Wandel.
Wir alle kommen aus dem gleichen Lager und stehen jetzt vor der Frage wie wir mit der neuen Situation umgehen wollen.
Bevor Haibike vor ziemlich genau 3 Jahren die Mountainbike-Welt mit ihrem eingedrehten Boschmotor ins Chaos stürzte, war alles so einfach. Wir hatten Spaß, wir haben uns gequält, wir haben Sport gemacht und wir haben uns nach unseren Mountainbiktouren einfach nur gut gefühlt.




Eines ist gewiss: Die Mountainbike-Welt befindet sich im Wandel.
Wir alle kommen aus dem gleichen Lager und stehen jetzt vor der Frage wie wir mit der neuen Situation umgehen wollen.
Bevor Haibike vor ziemlich genau vier Jahren die Mountainbike-Welt mit ihrem eingedrehten Boschmotor ins Chaos stürzte, war alles so einfach.
Wir hatten Spaß, wir haben uns gequält, wir haben Sport gemacht und wir haben uns nach unseren Mountainbiktouren einfach nur gut gefühlt. 

Wir konnten Höhenmeter machen, wir konnten uns von Tour zu Tour verbessern, sowohl technisch wie auch konditionell.
Wir waren draußen, voller Adrenalin und Energie und das war auch gut so!
Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind nicht mehr wir. Es kommen andere dazu, und einige wenden sich von den Traditionen ab. Wie sollen wir damit umgehen? Wie soll ich damit umgehen? Ist es Verrat am Bewährten? Ist das der Ausverkauf einer unglaublich schönen Sportart?
Sind unsere Waldwege bald voll mit unerfahrenen eBikern? Mit „Betrügern“ und Nichtskönnern?
Die unseren geliebten Sport durch Ihre Rücksichtslosigkeit in Verruf bringen?
Die sich Leistung mit Geld erkaufen und so wenig wie möglich tun wollen?

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Wenn ich nun so in die Vergangenheit blicke muss ich mich eines fragen.
Tragen wir vielleicht nicht sogar eine Mitschuld für diesen Wandel?
Haben wir denn nicht auch schon vor vielen Jahren damit begonnen nach etwas zu streben?
Nach einer gewissen Leichtigkeit? Nach Mittel und Wegen uns die Touren bergauf und bergab zu erleichtern. Uns eventuell sogar etwas zu erkaufen?
Die Bikes wurden leichter, jedes Gramm das eingespart wurde, haben wir gefeiert.
Ein Carbon-Rahmen, das Nonplusultra. Der Inbegriff der Leichtigkeit.
Leichtere Federgabeln, vollgefederte Mountainbikes unter 10kg.
In den Anfängen unseres geliebten Sports undenkbar.

Doch das war etwas anderes! Trotzdem haben wir geschwitzt, wir haben uns verausgabt,
die Gewichtseinsparung hat nur dazu gedient uns zu verbessern, schneller hinauf zu kommen und schneller hinunter. Unsere Muskelkraft war es, die uns vorangetrieben hat, die uns unsere Grenzen aufgezeigt hat.
Es war ehrlich und aufrichtig! Wir gehörten zusammen und konnten uns miteinander messen und gegenseitig motivieren!

Diese Grenzen sollen jetzt nicht mehr gelten? Sie werden aufgeweicht und jetzt soll alles noch einfachen gehen? Wurde jetzt die rote Linie endgültig überschritten? Sind einige zu weit gegangen?
Leiden diese Leute an Selbstüberschätzung, dass sie die Grenzen die sie von ihrem Körper aufgezeigt bekommen, einfach so ignorieren? Oder sind diese Leute vielleicht auch einfach nur faul, dass sie sich einen Hilfsmotor an ihrem Mountainbike leisten?
Wo verläuft die magische Grenze von der Ehrlichkeit hin zum Betrug an sich selbst?


Die ganze Branche ist im Aufbruch. Es scheint mir fast so als würden alle auf diesen Trend aufspringen wollen. Doch wo bleiben wir? Die ehrlichen und wahren Biker?
Selbst mein Bikeshop, dem ich jahrelang vertraut habe und mein hart verdientes Geld für neue Bikes gebracht habe, hat sie jetzt auch im Programm.
Dort stehen sie die E-Mountainbikes, vollgefedert mit Top-Ausstattung und schickem Design, funkelnd und verlockend. Bereit uns zu verführen, hin zur neuen Leichtigkeit. Auch in meinem Bikemagazin, das ich vor Jahren abonniert habe, wird über sie berichtet - die E-Mountainbikes.
Wie toll sie sind und wie viel Spaß man mit ihnen haben kann.

Wie lange wird es dauern, wie lange können wir die Bastion noch halten, unseren schönen und ehrlichen Sport noch zu verteidigen.
Die Hoffnung, dass das Ganze nur ein Phase ist, die so schnell wieder verschwindet wie sie aufgetaucht ist, müssen wir leider begraben. Es sind einfach zu viele geworden und täglich werden es mehr.
Selbsternannte Experten nennen Zahlen für die Zukunft bei denen man ganz schwindelig wird.


Und dann war es soweit……

Es kam der Tag der eines Tages kommen musste.

Es ist noch gar nicht so lange her, da rief mich ein Freund an und sagte mir beiläufig am Telefon er hätte sich nun auch eines dieser eMTB Fullys zugelegt. Ich war fassungslos. Es hat mich so unglaublich aufgeregt, dass es jetzt passiert ist, in meinem direkten Umfeld. Was soll ich jetzt tun, die Freundschaft aufkündigen?
Wenn ich auch ganz kurz darüber nachgedacht hatte, bin ich natürlich trotzdem wieder mit ihm biken gegangen.


Und dann letztendlich passierte das Unausweichliche,
 er stellte die Frage aller Fragen: „Na, willst du auch mal damit fahren?“
Ich? Ich soll mich auf dieses Bike setzten?

Und jetzt darfst du entscheiden wie die Geschichte weitergeht.

Ich kann nur so viel sagen: Wenn ich auf meinem neuen eFully sitze bin ich auch heute noch voller Adrenalin. Ich komme auch heute noch total verschwitzt zu Hause an und freue mich auf eine Dusche. Ich habe jede Menge Spaß und kann auch weiterhin an meine Grenzen gehen.

Doch ein klitzekleiner Unterschied gibt es dann doch. Wenn ich nach einer ausgedehnten Tour zufrieden von meinem Bike steige, ist mein Grinsen um ein vielfaches breiter als früher.

Kommentare:

  1. Die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes sind die Grundrechte. Sie beginnen mit dem wichtigen Artikel 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. (...)". Es folgen beispielsweise das Grundrecht auf Gleichheit vor dem Gesetz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit oder das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis und das Recht auf freie Berufswahl.
    Ich werde mir also das Recht auf ein E-MTB gönnen und solange es nicht gegen geltendes Recht verstösst, ohne Gewissensbisse gegenüber irgend jemanden MEINEN Spass damit haben.....
    Irgend jemand anderer Meinung?

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  2. Seit einem Motorradunfall kann ich mein Knie nicht mehr zu 100 % belasten.........

    Deswegen ist für mich die Erfindung des E-MTB ein Stück Freiheit, welches ich zurück gewonnen habe.
    Meine Fitness hat sich in 2014 wessentlich verbessert und mal ganz ehrlich....... Nach nem langen Arbeitstag ist die Kraft des Akkus häufig ein Segen auf dem Weg nach Hause.

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  3. Kann mich hier anschließen: Auch ich habe jahrelang geschwitzt und mich mit eigener Muskelkraft die Berge hochgekämpft. Und hatte unheimlichen Spaß dabei.

    Und dann plötzlich stellt mein Arzt Probleme im Herz-Bereich fest und sagt mir, ich darf mich nicht so stark belasten.

    Nach einem Jahr, in dem ich versucht habe, im Rahmen der mir verordneten Grenzen beim Biken Spaß zu haben (und dabei kläglich gescheitert bin), hat mir mein neues eMTB das Grinsen zurück ins Gesicht gezaubert.

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  4. Nach der nun fast beendeten 4. Saison auf HAIBIKE EQ und AMR

    Die Ausführungen oben sind 1000-prozentig richtig !

    ICH LIEBE MEINEN MOTOR ! ! !

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  5. Ich kann mich euch nur anschließen.
    Nach fast 20 Jahren MTB,
    und glaubt mir ich fahre in der Karwendel Region und weis was Höhenmeter bedeuten,
    bekam auch ich Probleme mit den Knien.
    Ich soll die Belastung begrenzen.
    Ich dachte, was ? Begrenzen ?
    Soll ich nur noch um den See fahren nachdem ich die Berge lieben gelernt habe ?

    Ich hatte die E MTB s schon länger im Auge, die Tests wurden immer besser
    die Bikes Berg und Trail tauglich.

    Na dann.
    Der Haibike Händler ist in der Nähe, ich schau mir mal eins an.
    Nach einer kleinen Probefahrt hab ich auf der Stelle zwei

    Haibike xduro fs rx gekauft ( für mich und meine Frau )

    Nach 700 km ist die Begeisterung ungebrochen.
    Hätte ich das gewusst hätte ich mir die schon früher gekauft
    auch ohne Knieprobleme.

    Genau so Sportlich nur mit mehr FUN.

    Das ist die Zukunft des Bikens

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  6. Der sehr gute Erfahrungsbericht und die Antworten treffen den Nagel auf den Kopf !
    Genau so sieht es aus . Kann mich nur anschließen !!
    Habe inzwischen in 3 Jahren mehr als 10.000 km mit meinen E-MTB´s gefahren und bin nach wie vor voller Begeisterung !! auch weil die Dinger immer besser werden.

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  7. Ich fahre meine BMW, wenn ich einen Motor will. Auch voll Adrenalin und manchmal verschwitzt wenn ich nach Hause komme. Aber eben anders und ehrlicher!

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    1. und du hast jede menge benzin verbrannt. aber deine bmw fährt ja auch ohne wald.
      ehrlich

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  8. Soso...ehrlicher BMW-Fahrer: was für eine BMW denn? Die unehrliche 4-Ventiler mit Vollverkleidung, Bremskraftverstärker und Paralever-Schwinge? Oder einen ehrlichen naked 2V-Boxer mit Trommelbremse und Cantilever? Das mit der Ehrlichkeit ist so ne Sache...
    Ich kann leider auch nicht mehr mein herkömmliches Fully wie auch meine BMW fahren und bin sehr sehr froh, dass mir die E-Entwicklung die Möglichkeit bietet, noch sportlich aktiv zu sein.
    Downhill brauch ich keinen Motor und außerdem kann der mir auch kein Fahrkönnen beibringen...
    Grüße
    Propeller

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  9. Ich mach es nicht. Ich werde mir diese Jahr keines vom Händler leihen. Ich weis, dass es bestimmt tierisch Spass macht. Aber es ist irgendwie doch peinlich.

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    1. Keiner muss, jeder darf.

      Was verstehst du genau unter "peinlich"?

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  10. Ob etwas peinlich ist bestimmt dein Selbsbewustsein und der Gruppenzwang dem man glaubt zu unterliegen.
    Ich sehe es immer wieder in vielen Gesichter von nicht ebikern am berg
    und im Karwendel wo ich hauptsächlich unterwegs bin sind das berge,
    dass so mancher sich wünscht auch auf einem ebike zu sitzen.

    Ich habe in meinen vielen Jahren MTB ohne E unglaublich viele biker in den Bergen gesehen bei denen es noch viel peinlicher war mit einem normalen MTB auf der piste zu sein, wenn sie keuchend hochrot teilweise sich übergebend unterwegs waren.

    Peinlich ist es sich für etwas zu schämen weil andere es für peinlich halten.
    Ich hab einfach nur Spaß und jeder andere kann darüber denken was er will.

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    1. Klasse Einstellung!

      Es geht nur um Spaß haben!

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  11. Ich sehe das genau so. Nach 3 Jahren Haibike mit "e" und 13000 km in unterschiedlichem Gelände stelle ich aber auch mehr und mehr eine steigende Akzeptanz bei anderen MTB-lern fest. Jedem das gönnen was er mag.
    Warum soll ich mich schämen und für was?
    MTB fahren und die Klingel zu Hause lassen weil sie ja 10 Gramm zusätzliches Gewicht bringt halte ich für schlimmer.
    In diesem Sinne. Ich bin dann mal auf Tour .......

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  12. Zum Thema Peinlich ! Vor einigen Jahren hatten mich Freunde zum Bikewochenende mit nach Mittenwald genommen. Da war mir Anfangs mein altes Muddy Fox Courier Comp schon etwas peinlich zwischen den ganzen anderen teuren Bikes der Kumpels. Als uns dann bei einer Pause ein älterer Herr in Lederhose freundlich und hutlüpfend auf einem Fünfgang-Damenfahrrad auf dem Weg zur Alm überholt hat waren schlagartig auch die Higendgeräte der Kollegen peinlich ...

    Ich hab meiner Frau letzte Woche ein e-MTB gekauft und mir eines bestellt, und ich freu mich tierisch drauf.

    PS: ich putze mir auch meine Zähne mit e-Hilfsmotor !

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    1. der spruch wird meine standard antwort :-)

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  13. Der Spruch ist super:
    " ich putze mir auch meine Zähne mit e-Hilfsmotor !"

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  14. Was soll der pathetische Schmarren um Ehrlichkeit und Unehrlichkeit?
    Ich fahre elektrisch unterstützt oder rein mit Muskelkraft, wie es mir gefällt, und lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden, es geht hier auch nicht um einen Wettbewerb, oder? Bekommt etwa jemand ein schlechtes Gewissen, weil mein Knie nicht mehr belastbar ist? NEIN. Nach etwa 10 Jahren Zwangspause kann ich endlich wieder ohne Überlastung die Berge hochfahren, aber schonen tue ich mich trotzdem nicht. Der Motor wird lediglich zum egalisieren der Lastspitzen verwendet.

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