Mittwoch, 1. Januar 2014

Antritt ! - So fährt sich der neue Motor aus der Bosch Performance Line

Im vergangenen Sommer auf der ISPO Bike 2013 in München wurde erstmals der neue Bosch Motor aus der Performance Line vorgestellt. Zwischenzeitlich sind die ersten Serienbikes mit diesem Motor verfügbar. In diesem Zusammenhang wollen wir euch einmal kurz unsere Erfahrungen aus dem harten Praxiseinsatz schildern und dabei etwas näher auf die Fahreigenschaften eingehen.

Der neue Mittelmotor von Bosch wurde von Grund auf neu konstruiert und ist in zwei Versionen, der Activ- und der Performance Line verfügbar. Für den sportlich ambitionierten Pedelec Biker ist das Aggregat aus der Performnace Line sicherlich die interessante Variante, da diese mit bis zu 400Watt Spitzenleistung und 60Nm Drehmoment das Pedalieren unterstützt.

Aktuell hatten wir die Möglichkeit den neuen Bosch Motor in einem Cube Stereo Hybrid 140 SL zu fahren und dabei einige Erfahrungen zu sammeln.


offenes Modell des Bosch Performance Motor
Bauform: Der Motor hat die Form eines Eies und ist hängend an eine spezielle Rahmenkonstruktion mit drei Schrauben befestigt. Das eigentliche Motorgehäuse ist von einer bruchsicheren Kunststoffverschalung umgeben, welches zum einen einer optischen Aufbereitung dient, zum anderen aber auch einen gewissen Schutz vor mechanischen Einflüssen mit sich bringt.
Im Inneren arbeiten zwei Achsen, welche über eine mechanische Verbindung unter Berücksichtigung einer elektronischen Regelung ineinander greifen. Eine Welle bildet die Pedalachse, eine weitere die Verbindung zum Elektromotor. Die Pedalachse ist hierbei noch von einer weiteren Hohlachse umgeben, die in Verbindung mit dem 2,5fach schneller drehenden Kettenblatt steht.
Soviel zur groben Betrachtungsweise des neuen Motorsystems.
Wer sich für die Details interessiert kann sich die frei zugänglichen Patentschriften ansehen.

Nun aber zu den praktischen Erfahrungen und dem Fahrgefühl.
Zu Beginn einer jeden Bergtour steht natürlich das bergauf Fahren. Um es zunächst locker angehen zu lassen, wähle ich die kleinste Unterstützungsstufe ECO. Diese ergänzt die eigene Pedalkraft mit zusätzlichen 50% Motorleistung. Ich bewege mich auf einer Steigung mit etwa 5% und um die 12 km/h zügig fort. Der erste Anstieg verläuft dabei konstant über 2 km.


Bereits hier ist zu spüren, wie flüssig der Motor sein "dazutun" über das kleine 15 Zähne zählende Kettenblatt auf die eigene Pedalkraft überträgt.


Dann geht es weiter in einen kurzen steileren Anstieg, durchweichter Untergrund erfordert einen größeren Kraftaufwand und um die Pulsfrequenz nicht explodieren zu lassen schalte ich etwas mehr Unterstützung zu. Bei Stufe TOUR mit 110% zusätzlicher Unterstützung lässt sich dieses Stück auch mit zeitweise abreisender Traktion ohne Stop meistern. Im Wiegetritt macht sich der Vorteil des kleinen, im Vergleich zur Kurbelfrequenz 2,5fach schneller drehenden Kettenblatts, positiv bemerkbar. Denn gerade beim Übergang vom einen auf das andere Pedal überbrückt der neue Motor durch seinen minimalen Nachlauf den Totpunkt und unterstützt so einen runden Tritt.

Auf der ersten Zwischenhöhe angekommen geht es jetzt auf einer Waldautobahn ohne größeren Anstieg weiter. Um zu sehen wie sich der Motor ohne Unterstützung fährt schalte ich diesen über die Bedieneinheit aus. Im ersten Moment stellt sich das Gefühl ein, dass doch irgendetwas den Vortrieb "bremsen" muss. Doch es gilt nicht zu vergessen, dass hier ein 21kg Bike bewegt werden will. Nach einigen hundert Metern gewöhne ich mich an den höheren Kraftaufwand und nehme etwas Tempo raus. Bei guten 20km/h lässt sich so angenehm in der Ebene fahren, auch ohne Unterstützung.
Der nächste Anstieg beginnt an einem Bauernhof. Um mir diesen doch wieder etwas zu erleichtern schalte ich wieder die kleinste Stufe ECO zu.

Das leichte Sausen des Elektromotors scheint den Hund des Hofes mächtig zu irritieren. Lauthals kläffend stürmt dieser auf mich zu, gewillt einen Angriff zur Verteidigung von Haus und Hof zu starten.
Reflexartig schalte ich den Motor aus, denn eigentlich sollte der Hund Biker gewohnt sein, liegt der Bauernhof doch auf einem gut frequentierten Abschnitt.
Durch das nun fehlende Surren scheint sich der Hund wieder etwas zu entspannen, zumindest begleitet er mich nun schweigend zum Ende des Hofes.
Für mich heißt es nun aber kräftig in die Pedale treten, der kleine Anstieg ohne Motorunterstützung bei Schrittgeschwindigkeit erfordert viel Einsatz, dennoch ist es für eine kurze Distanz machbar.
Nach der nächsten Kurve hinter dem Hof schalte ich sofort wieder die Unterstützung zu, dieses mal Stufe Sport mit 170%. So kann ich auch bergauf etwas entspannen und den Puls von seinem oberen Limit wieder in gesündere Sphären treiben.
Mir scheint, als müssen sich nicht nur traditionelle Biker an ihre neuen motorisierten Bike Kollegen gewöhnen, sondern auch das vierbeinige Sensibelchen des Bauernhofs.


Der Trail ist erreicht, die Party kann beginnen. 
Singletrail ballern, ein Hauptgrund warum mir das Mountainbiken so viel Spaß macht. Auf dem Singletrail schalte ich meist in eine der hohen Unterstützungsstufen, also entweder SPORT mit 170% oder TURBO mit brachialen 275%. Vollgas lautet die Devise, dass heißt schnelle Beschleunigung bis 25km/h oder ein Ritt kaum unter die Unterstützungsgrenze.
Trotz des leichten Gefälles der Strecke strengt das Herunterfahren mindestes genauso an wie der mitunter qualvolle und monotone Anstieg. Gerade bergab ist höchste Konzentration und Reaktion erforderlich, will man ohne Fehler den Ritt durch den "Natur-Spielplatz" gewinnen.

Pedalieren, bremsen, in die Kurve liegen, antreten, springen, vorausschauen, den Boden fühlen, die Strecke kalkulieren und Balanceverteilung  - diese permanent aufeinander folgenden Anforderungen bedürfen einem ruhigen Verstand und einem vitalen Körper. Einen Kreislauf, welcher sich nicht am Limit bewegt - auch hier macht sich die Kraft der Drive Unit Performance positiv bemerkbar.
Der Kreislauf bleibt stabil wodurch eine höhere Sicherheit gegeben ist.

Mit Stufe SPORT geht es also nun in die Achterbahn.
Kompromisslos beschleunigt der Motor unter zutun der eignen Körperkraft auf Reisegeschwindigkeit. Der relativ tiefe und zentrale Schwerpunkt des Systems, bestehend aus den Hauptkomponenten Akku und Mittelmotor, lassen schnelle Balanceveränderungen zu. Natürlich macht sich das Gewicht im Vergleich zu einem motorlosen Bike deutlich bemerkbar. So muss ich das Bike deutlich aktiver in der Kurven drücken, eine gewisse Massenträgheit ist bei schnellen Manövern ist immer zu spüren.
Gut gefällt mir die Gewichtsverteilung an diesem Bike, sie ist recht zentral so dass ich bei Sprüngen weniger Gewicht in Richtung Heck nehmen muss. Beim alten eMTB mit dem Classic Motor hatte ich immer das Gefühl das die Gewichtsverteilung etwas zu frontlastig ist - dies vermutlich durch den höher sitzenden Akku auf der Oberseite des Unterrohrs.

Auf dem Weg kreuzen auch immer wieder kleinere quer liegende Stämme den Weg, diese kann ich dank der guten Bodenfreiheit zwischen Motorverschalung und Gelände einfach überfahren oder schnellen Weges mit einem aktiven Sprung in einem Zug hinter mir lassen.
Wasser und Schlamm sind übrigens meine ständigen Begleiter, auch damit kann das neue System (wie das alte auch) gut umgehen. Trotz intensiver Konfrontation mit diesem Element bleibt alles funktionsfähig und an den wichtigen Stellen, wie etwa dem Kontakt zwischen Akku und der entsprechenden Aufnahme, alles trocken. Besonders lobenswert ist hier das verbreiterte Unterrohr des Cube Stereo Hybrid Rahmes. Dieser nimmt der Akku quasi in sich auf, so dass dieser von der Unterseite und teilweise auch der Seitenwangen geschützt gegen Nässe, Schmutz und Steine ist.

Am Ende dieser Ausfahrt quittiert mit die Anzeige eine zurückgelegte Strecke von knapp 30km. Die Umgebungstemperatur betrug etwa 8°C. Dabei waren noch drei der fünf Ladebalken des 400Wh starken Akkus verfügbar. Genaue Rückschlüsse auf die Effizienz des Performance System lassen sich noch nicht erschließen. Aber es liegt der Verdacht nahe, dass das neue System etwas energiehungriger ist als das alte Modell.
Sobald es die Bedingungen zulassen werden wir wieder eine unserer legendären Referenzfahrten um die 1000Hm absolvieren, dabei dann im Video festhalten wie sich der Energieverbrauch im Laufe dieser Tour gestaltet. Somit sollte dann ein Vergleich möglich sein, welcher Rückschlüsse auf die Effizienz gibt.

Sicherlich habe ich nun hier nicht alle Aspekte des neuen Antriebs schildern können.
Ich denke jedoch, dass die aktuell gesammelten Erfahrungen einen ganz guten Einblick über die Alltagstauglichkeit wiederspiegeln.

Solltet ihr noch weitere Fragen haben, so stehe ich euch gerne jeder Zeit über die Kommentarfunktion zur Verfügung.

Kommentare:

  1. Sehr schöner Bericht!
    Mal eine Frage zu den verbauten Komponenten:
    Wie groß ist der Unterschied vom Fahrwerk & Schaltung zu einem z.b. alten 2012er Hai FS RX.
    Es sind ja Highend Teile die am Cube verbaut sind und da würde mich das einfach mal interessieren.
    Zwischen meinem 2012 FS RX & 2013 FS SL Hai merke ich nur geringfügige Unterschiede die in meinen Augen den Aufpreis kaum rechtfertigen.

    Oder wird es hiefür einen extra Bericht geben?

    Ich muss euch noch mal für euere interessanten Berichte loben, schaue hier fast täglich rein. Macht weiter so!

    Gruß
    derb

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    1. Vielen Dank für die positive Rückmeldung.

      Der Unterschied des Fahrwerks, Kinematik und der ganzen Rahmenarchitektur ist enorm. Da empfinde ich mein altes Xduro FS RX (2012) fast schon als Spielzeug dagegen.

      Die neue Cube Stereo Hybrid Serie, wie aber auch die neuen Haibike Xduro2 Generation sind viel reifer. Alleine schon die moderne Rahmengeometrie macht sich positiv bemerkbar. Beim Cube merkt man halt, dass die sehr erfolgreiche Konstruktion der motorlosen Variante sauber übernommen wurde.

      Sobald wir die Serienversion des knapp 4000€ teuren "Cube Stereo Hybrid 140 PRO" haben werden wir dieses Bike nochmal ausführlich vorstellen. Wir hoffen, dass diese Bikes noch im Januar ausgeliefert werden.

      Ich kann nur empfehlen, selbst mal ein Pedelec Bike der neuen Generation Probe zu fahren. Ob sich der Umstieg dann lohnt muss jeder für sich entscheiden.

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  2. Guter Bericht ! Danke !
    Da wird die Vorfreude auf mein Haibike Nduro Pro immer größer.
    Gruß Uwe

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  3. du hast ja nun schon das amt rx und das Cube Stereo Hybrid SL gaesehen und gefahren sind die beide vergleichbar ??

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    1. Auf den Einsatzbereich bezogen sind beide vergleichbar - also beides Allmountain Bikes mit 140/150mm Federweg und 27,5" Laufrädern - dazu natürlich der Bosch Performance Motor.
      Das AMT RX konnte ich bisher allerdings nicht so ausgiebig fahren, wie das Stereo Hybrid 140 SL. Daher fällt mir ein direkter Vergleich schwer bis gar unmöglich.

      Das AMT RX bin ich nur kurz, auf einem Testgelände, in der Rahmengröße 44 gefahren. Mir kam es extrem klein vor, auch im Vergleich zum 2013er FS RX in Größe 44. Meine Bikes sind alle 48er (18" / M). Hinterbau macht einen guten ausgewogenen Eindruck, eine 32er Gabel ist meiner Erfahrung nach bei einem Pedelec unterdimensioniert. Da bieten 34er Modelle wesentlich mehr Steifigkeit, was bei einem Bike mit über 20kg nur sinnvoll sein kann.

      Für mich äußerst interessant, wegen bester Preis- Leistung, ist das Cube Stereo Hybrid 140 PRO. Dieses Bike hat bis auf die Teleskop-Sattelstütze alles was ich von einem aktuellen Allmountain erwarte. Dazu dann noch die perfekte Kinematik und das ganze für unter 4000€. Ist jetzt nur noch die Frage bis wann der Händler es hat.

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  4. ich danke dir für deine Antwort ich habe nicht so viel Erfahrung damit,wie ist deine Einschätzung .....lohnt sie der Aufpreis vom Stereo Hybrid 140 PRO zum Stereo Hybrid 140 SL
    ich weiß nicht so wirklich wo die unterschied bei dem Dämpfer und der Gabel sind

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    1. Ob sich der Aufpreis lohnt möchte ich nicht beurteilen, dass muss jeder für sich wissen. Klar hat das SL die "besseren" und somit teureren Komponenten. Dämpfer und Gabel zum Beispiel haben eine spezielle Beschichtung. Diese sollen ein besseres Losbrechmoment und Ansprechverhalten haben.

      Der Rahmen an sich ist der selbe.
      Letztendlich wird ein MTB auf Dauer im Gelände abgeschlachtet, gerade bei den feuchten Bedingungen wie sie beinahe die ganzen letzen 12 Monate herrschen gehen Matsch und Schlamm extrem aufs Material.

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  5. Bin zufällig auf diese Seite gestoßen, da ich mich mit dem Bosch Performance beschäftige. Hoffentlich "hört" mich noch jemand, da die Artikel schon älteren Datums sind. Ich habe nur eine Frage: Kann es sein, dass die Motoren unterschiedlich laut ausfallen? Mein Mann und ich haben uns letzte Woche ein E-Spark 710 von Scott gekauft. Und nun habe ich festgestellt, das sein Bosch-Motor viel leiser "summt". Wird so ein Motor mit der Zeit leiser? Mein Mann ist schon ca 100 KLM weit gefahren, und ich gerade mal 40. Vielleicht kennt sich jemand von Euch aus und wird seine Erfahrung kundtun, z.B. Will Lee Besten Dank. PeSa

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    1. Also meiner Erfahrung nach werden die Motoren mit der Zeit minimal lauter. Es gibt aber auch andere Faktoren, wie beispielsweise der Rahmen welcher Motorgeräusche unterschiedlich erscheinen lassen kann.
      Fahre mal 500km damit und dann mal sehen wie sich die Sache bis dahin entwickelt hat.

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