Samstag, 19. Oktober 2013

Der neue Bosch Motor und der Umstand an vollgefederten Bikes

Bei der Entwicklung des neuen Bosch Motors, bekannt als Active- und Performance Line, ging es primär darum das System kleiner, kostengünstiger und robuster zu machen. Darum hat man, grob gesagt, im Motor quasi zwei Wellen - eine am Motor und eine weitere an der Kurbelachse, welche ineinander greifen.
Dies hat bautechnisch die Konsequenz zu folge, dass das Kettenblatt an der Kurbelachse 2,5x schneller dreht als die eigene Kadenz (Trittfrequenz). Entsprechend hat das Kettenblatt an der Kurbel auch 2,5 weniger Zähne als beim alten System. Wo früher also ein 38er Blatt montiert war, umschlingt die Kette nun ein 16er.
Nun liegt die Kette auf dem kleinen 16er Kettenblatt entsprechend tiefer, wenn man sich den Verlauf parallel zur Kettenstrebe anschaut. Bewegt sich der Hinterbau nun auch noch, wie es bei vollgefederten Bikes der Fall ist, tendiert die Kette in Kombination mit Erschütterungen (wie im Gelände üblich) zum Aufschlagen, bzw. Schleifen auf der Kettenstrebe.
Wie haben sich also nun die Hersteller dieses Umstands angenommen?
Wir zeigen euch einige, mitunter auch spektakuläre, Konstruktionen.


Haibike
Haibike hat eine klassische Umlenkrolle oberhalb der Kettenstrebe angebracht. Diese besitzt eine weitere Führung um ein Abspringen im Gelände zu verhindern. Wie auf den Bildern gut zu sehen ist, liegt die Kette somit deutlich über der Strebe.
Womöglich besteht der Nachteil aber darin, dass die Kette bedingt durch die Umlegung etwa zwei Zähne weniger auf dem 16er Hauptkettenblatt zur Verfügung hat. In der Vergangenheit gab es am alten Bosch System bereits immer wieder Probleme auf dem kleinsten Ritzel (11 Zähne) am hinteren Ritzelpaket. Die Kette überspringt dort bei starker Beanspruchung und entsprechendem Verschleiß die Zähne und rutscht durch.
Umlenkung am Beispiel des Haibike Nduro RX























Aber wir werden sehen, wie sich das System in der Praxis schlägt. Optisch begutachtet macht es auf jeden Fall einen souveränen Eindruck.


Cube
Cube verbaut an seinen Stereo Hybrid Modellen das kleinst mögliche Ritzel mit 15 Zähnen. Somit geht an man an das Optimum des neuen Bosch Motors in Kombination mit einem Mountainbike typischen Übersetzungsverhältnis. Ein kleineres Kettenblatt lässt sich auf der Kurbel nicht montieren, da sonst die Kette auf dem Spider - Ring (spezielle Mutter zur Fixierung des Kettenblatt an der Kurbelwelle) aufliegt.
Bei Cube hat man nun aus der Praxistests heraus, die Kettenstrebe vom Rahmenlager ab etwas tiefer gesetzt. Dies bedeutet, dass im ungünstigsten Fall (Kette auf Kassette am kleinsten Ritzel liegende) der Abstand zwischen Kette und Kettenstrebe 11mm beträgt.
Umlenkung am Beispiel des Cube Stereo Hybrid SL























Wie hier am Vorserienmodell zu sehen, liegt die Zugführung des Schaltwerks auf der Kettenstrebe. Diese ist im hinteren Bereich zwar durch einen entsprechenden Schutz eingeschlossen. Im Bereich des Rahmenlagers aber liegt sie bei diesem Modell frei zugänglich. Wir werden sehen, wie das ganze später bei einem Serienbike aussieht und auch darüber berichten wie sich das ganze in der Praxis gestaltet.
Prinzipiell sind frei liegende Züge zu begrüßen, da sie im Bedarfsfall einfach zu wechseln sind.


Moustache
Beim französischen Bike Hersteller Moustache lenkt man die Kette unterhalb der Kettenstrebe über zwei weitere Achsen um. Parallele dazu setzt man auch hier die Kettenstrebe nach dem Rahmenlager sehr tief, der Raum dazu ist ja durch die untere Umlenkung gegeben. Da die Kette aber dennoch über das Rahmenlager führt wird es speziell an dieser Stelle recht eng. Andererseits dürfte die Kette in diesem Bereich auch am wenigsten ausschlagen.
Kettenführung am Beispiel des Moustache Samedi 27/9 silver



























Lapierre
Bei Lapierre scheint man den einfachsten und auf den ersten Blick effektivsten Weg zu gehen. Wie auf den Bildern schön zu sehen, hat man die Kettenstrebe einfach komplett über das Rahmenlager gesetzt und so der Kette allen erdenklichen Freiraum gelassen.
Kettenführung am Bespiel des Lapierre Overvolt FS























Wo nichts ist, kann auch nichts anschlagen.


Sobald die neuen Bikes auf dem Markt sind wird man sehen wie sich das ein oder andere System in der Praxis schlägt. Womöglich wird das Problem mit dem kleinen Kettenblatt an der Kurbel zusammen mit der Kettenstrebe aber auch über bewertet. Denn letztendlich wird die Kette bei starken Erschütterungen immer auf der Kettenstrebe aufschlagen, egal wie weit der Abstand nun ist - das Lapierre Modell einmal ausgenommen.

Wer sich für die Konstruktion des neuen Bosch Motors im Detail interessiert, sollte einmal in die öffentlich zugängliche Patentschrift schauen: Antriebsvorrichtung für ein Elektrofahrrad mit Kraftmessung zur Fahrerwunscherkennung


1 Kommentar:

  1. Leider ist das Serienmodell von Cube nicht geändert.
    Zusätzlich hat man die neu Ladebuchse am Bike mit dem Rahmen so verbaut, dass man den Akku wie beim Classic Modell aus der Halterung nehmen muß um Ihn zu laden.

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